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Einer denkt, zwei von ihnen ersetzen drei von denen. Falsch gedacht. Denn Udo Jürgens bekommt den Backstage-Pass. Verdammt. Immerhin ist Herz-Jesu-Freitag, und wenigstens im Kaffee steckt Potential. Überraschende Szenen aus einer irritierenden Zwischenwelt. Mein Beitrag beim Preacher-Slam am 9. Januar 2022 in der Karl-Rahner-Akademie.
Von Peter Otten
Der Herr Kardinal stand hinter der Theke. Gedankenverloren
hielt er ein kariertes Geschirrtuch in den Händen und drehte ein langstieliges Weinglas darin. Behutsam stellte er es in einem Regal hinter sich ab und fischte ein neues aus dem dampfenden Bäuchlein des Tischgesirrspülers. Die Rückwand der Theke, die verspiegelt war, zeigte die schütteren Streifen seines Haars, die sich von links nach rechts über seinen Schopf legten. Dazwischen ragten Spirituosenflaschen wie die Türme von Miniaturkirchen hervor. Sie trugen Namen wie „Prinz Alte Marille“, „O´Donnel Moonshine“ oder auch „Hexenzauber Blutwurz“.
Hinter den mit dunklem Leder bezogenen Hockern begann eine ausladende Tanzfläche. An der linken Seite befand sich ein schwarzlackierter Flügel. Der Herr Kardinal beobachtete Udo Jürgens, der in einen Bademantel gewickelt mit aufrechtem Rücken federnd auf einem Klavierhocker saß. Offensichtlich stand er heute auf dem Dienstplan. Seine Finger glitten über die Tasten. Und wie er es zu seinen Lebzeiten in unzähligen Musik-ist-Trumpf-Folgen schon immer getan hatte, hatte er auch heute seinen Kopf um neunzig Grad abgewinkelt und blickte mit großen Udo-Jürgens-Augen in ein nicht vorhandenes Publikum. Es war Wunschstunde, und offensichtlich hatte ein älterer Herr sich ein Stück gewünscht, dass Jürgens nun in dieser unnachahmlichen *miiooommiiiioooom* - Udo-Jürgens-Art auf die Tanzfläche goss, die um diese Zeit noch fast leer war: „Ein Stern, der deinen Namen trägt, den wünsch ich mir heut Nacht.“
















