Von Peter Otten
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich mein Vater einmal gewehrt hätte. Ich habe aber oft gesehen, dass es in ihm gearbeitet hat. Zum Beispiel wenn er von der Arbeit nach Hause gekommen ist. Er hatte einen schwierigen Chef. Der hat mitunter mehr von seinen Mitarbeitern verlangt, als sie tragen konnten. Als mein Vater einmal sehr krank gewesen war, hat ihn sein Chef anschließend wieder in die zweite Reihe schieben wollen, zum Bleistiftverkaufen. Dabei war mein Vater doch Geschäftsführer gewesen. Jahrzehntelang ist er morgens um sechs Uhr zur Arbeit gefahren. Und abends erst spät zurückgekommen. Oft hat da schon das Abendessen auf dem Tisch gestanden und die Kinder saßen schon im Schlafanzug da. Aber sein Chef hielt ihn für nicht mehr leistungsfähig. Doch mein Vater war ín einer unbegreiflichen Weise treu.
Am Wochenende ist mein Vater in den Garten gegangen. Mit Spaten und Hacke hat er stumm die Erde behauen, umgegraben und aufgelockert. Heute denke ich, er hat das, was ihn ihm gearbeitet hat in den Garten umgeleitet. Seine Emotionen, seinen Druck. Menschen um ihn herum haben zu ihm gesagt, er dürfe sich das nicht gefallen lassen. Nicht den Chef. Und auch im Vorstand vom Kirchenchor, da müsse er doch mal auf den Tisch hauen. Aber mein Vater hat sich nicht gewehrt. Er hat sich nie gewehrt. Er hat den Spaten in die Erde getrieben, das ja. Ich sehe ihn immer noch im Garten stehen, ein an den Ecken geknotetes Tuch gegen den Schweiß auf dem Kopf.

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