Viele Theologen haben den Versuch gemacht, das Glaubensbekenntnis auszulegen. Ein besonders prominenter Versuch ist der des katholischen Theologen Hans Küng. 1992 veröffentlichte er sein Buch „Credo – Das ApostolischeGlaubensbekenntnis – Zeitgenossen erklärt.“ Viele Menschen wollten heutzutage glauben, aber so, wie im Mittelalter oder in der Reformationszeit könnten sie es nicht, stellte Küng damals fest. Ihm ging es, ermutigt durch die Öffnung der katholischen Kirche zur Welt im Zweiten Vatikanischen Konzil um die Frage, wie Gottesglaube einerseits sowie die Erkenntnisse der Humanwissenschaften und der Naturwissenschaften andererseits sinnvoll zusammengedacht werden können. Ein Thema, dem Küng in seiner gesamten Forschung verpflichtet blieb. 
Foto: Salvador Garciá Bardón
Von Peter Otten
„Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“ Dieses Zitat Dietrich Bonhoeffers gefällt Hans Küng. Weil es für ihn eine der wichtigsten Erkenntnisse enthält: Gott ist kein Gegenstand, der der menschlichen Vernunft so ohne weiteres zur Verfügung steht. Gott ist unendlich, daher nicht greifbar und auch nicht begreifbar. Küng hält es da lieber mit Immanuel Kant: Gott ist keine Frage der theoretischen, sondern der praktischen Vernunft, was bedeutet: Gott ist zwar nicht beweisbar, aber es ist andererseits nicht unvernünftig, an ihn zu glauben:
"Ich kann den Sinn des Lebens nicht beweisen. Ich kann nicht den Sinn der Freiheit beweisen. Darum können wir auch Böses tun, nicht nur Gutes. Das sind grundlegende Zweifel, wo ich dann geantwortet habe mit dem Begriff eines vernünftigen Vertrauens (…) etwas, das mich bis heute trägt, wofür ich keine mathematisch-naturwissenschaftlichen Beweise habe für das, was ich glaube. Wohl aber viele Gründe, wonach ich meine, es kommt nicht alles aus dem Nichts und geht ins Nichts und so weiter."






