Freitag, 11. Februar 2011

Eine Dialog ist ein Dialog ist ein...

Wird das Jahr 2011 das Jahr des Dialogs in der Kirche? Mal sehen. Betont wird auf allen Seiten, wie notwendig und wichtig dieser sei. Und doch gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, was unter Dialog zu verstehen ist. Verknüpfen die TheologInnen in ihrem memorandum den Dialog mit einer Agenda von Themen, damit der Dialog zu einem Aufbruch werden könne, geht es manchem Bischof zunächst noch um Grundsätzliches: "Wenn der Dialog Gemeinschaft stärken soll, müssen sich die Kräfte darauf konzentrieren, von vornherein auch alle mit auf den Weg zu nehmen. Ich empfinde im Augenblick, dass durch Initiativen wie das Memorandum der Hochschullehrer der Dialogprozess eher erschwert wird", sagte heute beispielsweise Bischof Felix Genn. Er sehe in dem, was die Professorinnen und Professoren vorschlagen, nicht den Weg, der die Bewältigung dieser Krise leiste. Vor allem stört er sich an der von den TheologInnen skizzierten Alternative: Dialog oder Grabesruhe: "Ich kann die Meinung der Hochschullehrer nicht teilen, die letzte Chance sei vertan, wenn ihre Überlegungen nicht verwirklicht würden." Aber stimmt es denn nicht, dass viele KatholikInnen ihr Glaubensleben privatisiert haben, um es vor der Institution zu schützen, wie es die TheologInnen beschreiben? Ist es nicht wirklich so, dass auch viele treue KatholikInnen nichts mehr oder nicht viel von ihrer Kirche erwarten? Ist es nicht so, dass MitarbeiterInnen im kirchlichen Dienst, die zum Beispiel einen Menschen lieben, der bereits einmal verheiratet war, gesagt bekommen, man freue sich - allerdings sei man gezwungen zu reagieren, sobald Aufsehen erregt werde? Was ist das anderes als - sagen wir - Grabesruhe?

Genn sagt dazu nur, es sei ein falsches Kirchenbild, die "institutionelle Seite der Kirche, die notwendig zu ihr gehört, von der Innenseite, in der der Einzelne seinen Glauben lebt" zu trennen. Das zeigt ein Grundproblem der derzeitigen Debatte: Sie verstehen sich nicht. Geht es den einen um einen Befund, antworten die anderen mit einer nicht zu erörternden Wertung. Damit zeichnet sich auch das Grundproblem des Dialogs ab: Forden die TheologInnen einen Dialog, dessen Offenheit sich an seiner konkreten Agenda bemisst, will Genn sichergestellt wissen, dass alle auf dem Weg mitgenommen werden. Implizit heißt das: Auch jenseits der Dogmatik gibt es Tabuthemen, über die nicht zu reden ist. Das macht auch die aktuelle Äußerung von Kardinal Kasper heute in der FAZ deutlich, wenn er sagt, die Debatte um den Zölibat habe längst stattgefunden und sei erledigt. Seriöserweise dürften dieselben Argumente jetzt nicht wiederholt werden. Was also unter einem Dialogprozess überhaupt zu verstehen ist, darüber bestehen extrem unterschiedliche, vermutlich unversöhnliche Vorstellungen. "Zwischen meiner Verantwortung als Bischof in der Kirche und der Verantwortung, die der Bischof von Münster den Lehrenden übertragen hat, sehe ich einen starken Dissens", sagt Bischof Genn dazu. Wie und worüber zu reden ist und worüber eben nicht, bestimme ich, heißt das wohl.

Insgesamt habe ihn das Memorandum mit derzeit 228 Unterzeichnern „maßlos enttäuscht“, sagt Kasper. Er vermisse darin einen substanziellen Beitrag; von Theologen habe er „mehr erwartet“. Aber was denn? Die gegenwärtige Kirchenkrise sei aber eine Folge der Gotteskrise in der Gesellschaft und nicht in erster Linie auf die Kirchenverfassung zurückzuführen. Die entscheidende Frage sei „die Bezeugung des Glaubens in der Welt von heute“. Es brauche eine „radikale Erneuerung“ dieses Glaubens. Kasper macht etwas, was zur Zeit viele machen: Er versucht, zwischen Form und Inhalt zu trennen. Als ob das ginge! Bezeugen die TheologInnen in ihrem memorandum nicht auch und gerade ihren Glauben an die Wirkmächtigkeit und die Bedeutsamkeit des Evangeliums? Und zeigt sich diese Bedeutsamkeit und Wirkmächtigkeit nicht auch in Strukturen, zum Beispiel darin, in welcher Weise man miteinander worüber sprechen kann? Wäre eine offene Debattenkultur nicht gerade auch eine "radikale Erneuerung" des Glaubens? Was sonst, um Himmels Willen, meinen die damit, die gerade dauernd mit diesen Hülsen hantieren?

Kommentare:

  1. Ich stimme der Feststellung zu, dass sich hier zwei Seiten nicht verstehen. Obwohl ich tatsächlich eine Schlagseite sehe. Ich glaube, die Bischöfe sehen sehr genau, dass sie das, was die andere Seite unter "Dialog" versteht, nicht einlösen können.
    "Dialog" in der Kirche ist asymetrisch. Soll heißen undemokratisch und nicht auf einen Konsens angewiesen. Trotzdem ist er ein Dialog, an dessen Ende eine Entscheidung steht. Im Fall des Zölibats hat Kasper ganz zurecht darauf hingewiesen dass diese Entscheidung nun gefallen ist - und dann sollte man sie auch akzeptieren und nicht einfach weiterdiskutieren. Das führt nämlich in die "lähmende Dauerdiskussion" in der sich die deutsche Kirche seit Jahren sult.
    Natürlich darf man nicht zwischen Form und Inhalt trennen. Aber das heißt keineswegs, dass man an der derzeitigen Form viel ändern müsste. Man müsste sie vielleicht einfach nur wieder füllen..? Mit Inhalt zum Beispiel.
    Natürlich beißt sich die Katze hier in den Schwanz - und ganz sicher gibt es ganz viel, was verändert werden sollte, könnte und müsste. Aber lassen wir doch bitte die ganze müßige Ämterdiskussion weg und alle Fragen, die nach langer Diskussion jetzt entschieden sind! Das gehört dazu. Die Professoren haben die offene Debatte der letzten Jahrzehnte (die es gab!) verloren und sollten jetzt nicht beleidigte Leberwurst spielen. Dann kommen wir vielleicht auch vorwärts..

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  2. Auch wenn ich dem Inhalt der obigen Zeilen teilweise zustimme, sind diese m.E. - wie auch der Autor dies an einer Stelle (allerdings zu anderem Thema) anmerkt- redundant und kein "interessanter Aspekt". Zudem überwiegt mein 'Dissens' über den Gebrauch der SchreibweisInnen - der inkonsequenterweise dann auch im letzten Absatz nur noch sporadisch fortgeführt wurde.

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  3. Welche offene Debatte gab es denn, die die TheologInnen verpasst haben sollten?

    Außedem sind sie es wohl nicht, die die Diskussion dauernd aufs Zölibat verengen. Im memorandum steht dazu ein Halbsatz. Es geht erst mal nicht um eine Ämterdiskussion.

    Ich finde es bezeichnend, dass in der Debatte als Ursache für die Krise gerade sehr schnell eine "Gotteskrise" ausgerufen wird, wahlweise auch eine "Bekenntniskrise" (wie jetzt wieder Kasper) oder eine Missachtung des "Eigentlichen" oder was auch immer und den Unterzeichnern des memorandums unterstellt wird, sie drehten lediglich an "Stellschrauben" (Kasper) und verschwiegen "das Inhaltliche". Im Gegenteil: Ich finde darin fast schon sehr "fromme" Gedanken: "Die Kirche ist kein Selbstzweck. Sie hat den Auftrag, den befreienden und liebenden Gott Jesu Christi allen Menschen zu verkünden. (...)Unbedingter Respekt vor jeder menschlichen Person, Achtung vor der Freiheit des Gewissens, Einsatz für Recht und Gerechtigkeit, Solidarität mit den Armen und Bedrängten: Das sind theologisch grundlegende Maßstäbe, die sich aus der Verpflichtung der Kirche auf das Evangelium ergeben. Darin wird die Liebe zu Gott und zum Nächsten konkret." Ist es unkatholisch, wenn man in dieser Hinsicht auf einen Zusammenhang von Form und Inhalt aufmerksam macht?

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