Freitag, 13. September 2019

Ohne uns

„Vertrauen in die Demokratie stärken!“ Das wollen die Deutschen Bischöfe mit einem gemeinsamen Papier der EKD. Dabei finden sie Demokratie für sich gar nicht so wichtig. Keine gute Nachricht für die Demokratiebewegungen.

Von Norbert Bauer

Die englischen Parlamentarier haben es gerade so verhindern können, dass Boris Johnson am Unterhaus vorbei  den Brexit umsetzt. Seit Monaten gehen in Hongkong immer wieder hunderttausende Menschen auf die Straße. Sie protestieren für mehr Demokratie. In Moskau sitzt der Student Jegor Schukow im Gefängnis. Er hatte sich an Demonstrationen für mehr Demokratie beteiligt. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Überall auf der Welt kämpfen Menschen um Freiheit und Demokratie. So unterschiedlich die Bewegungen jeweils sind, eins haben sie gemeinsam. Auf die glaubwürdige Unterstützung der katholischen Kirche können sie nicht hoffen, denn Wortmeldungen katholischer Würdenträger haben mal wieder gezeigt: von Demokratie hält diese Kirche nicht viel. Papst Franziskus, selbst in geheimer Wahl ins Amt gekommen, stellt fest, dass eine „Synode kein Parlament“ ist. Der emeritierte Dogmatikprofessor Menke weiß, dass „die Kirche nie Demokratie werden kann“. Und Marc Kardinal Quellet meint die deutschen Bischöfe darauf hinweisen zu müssen, dass die „Kirche nicht demokratisch strukturiert ist“ und „keine Entscheidungen nach Mehrheit der Gläubigen getroffen werden können.“ Neu ist das alles nicht. Wer schon mal den CIC in der Hand gehabt hat, wird wissen, dass die katholische Kirche sich nicht als Versuchslabor für Demokratie versteht.

Sonntag, 19. Mai 2019

Aufstand der Frommen

Drei persönliche Beobachtungen zum Kirchenstreik der Frauen.

von Norbert Bauer

Ich war dabei, nur am Rande, beim Kirchenstreik der Frauen, der in Köln u.a. in St. Agnes einen Ort hatte. Ich war am Mittwoch dabei, als Vertreter*innen der KJG sich eingereiht hatten in den Kreis der Betenden und Sprechenden, und am Samstag als vor der Kirche zum Abschluss ein Wortgottesdienst gefeiert wurde.
Und ich habe viel gelesen über diese Aktion, natürlich auch die Statements mancher Bischöfe. Die meisten verfielen in den gewohnten Callcenter-Modus: „Ich habe ja Verständnis für Ihre Verärgerung, aber ich kann auch jetzt auch nichts tun.“ Manche formulierten dabei sogar Hoffnung und Trost: “Haben Sie Geduld, Ihr Paket wird bestimmt irgendwann ankommen.“ Bischof Burger hat in Freiburg sein Verständnis sogar persönlich im Gespräch übermittelt. Vielleicht hat er dabei ähnliche Beobachtungen machen können wie ich in Köln:

Donnerstag, 18. April 2019

Karfreitag: Kulturwandel

Foto: Peter Otten
Was würde anders? Überlegungen zum Kreuz als Anzeiger eines Kulturwandels

Von Peter Otten

Seit einem Jahr bin ich Teil einer Gruppe von zehn Menschen, die im Auftrag des Erzbischofs unter der Leitung von Franz Meurer über Kulturwandel nachdenkt. Grundlegend für die Arbeit dieser Gruppe ist die Erkenntnis, dass die Kirche womöglich in ihrer tiefsten Krise seit der Reformation steckt. Der rigorose Umgang mit klerikaler Macht, der auch zu diesen schlimmen Verbrechen sexueller Gewalt an Kindern, Männern und Frauen führte. Vertrauensdesaster. Machtmissbrauch. Selbstherrlichkeit. Konkurs. Es braucht wohl mehr als das Drehen an ein paar Rädchen. Es braucht wohl eine Überprüfung von Grundüberzeugungen.

Mittwoch, 17. April 2019

Der Moment, als es passiert ist

Foto: Peter Otten
Der Karsamstag ist der Moment, als es passiert ist. Gedanken zum Triptychon "Triduum. Drei Mal heilig" von Bruder Stephan Oppermann OSB und "Passiert" von Pohlmann

Von Peter Otten

Bruder Stephan scheibt zu seinem Werk: 

„Violett: Sehnsucht nach Nähe, die nicht greifbar ist. Hingabe und Annahme von dem, was einmalig ist.“

Ich habe lange darüber nachgedacht, was das heute bedeuten könnte. Nach dem Lied „Passiert“ von Pohlmann war es mir auf einmal klar. Pohlmann singt über eine klassische Geschichte, die jeden Tag tausendfach, ja: passiert. Eine Beziehung, eine Liebe ist zerbrochen. Es ist passiert. Passivisch ausgedrückt. Es ist passiert beschreibt ja auf der Rückseite auch das Lähmende, die Ratlosigkeit derjenigen, denen dies ... passiert.

Und jetzt ist es passiert, hätte ich nicht gedacht.

Dienstag, 16. April 2019

Da ist nichts, woran wir beide uns festhalten können

Foto: Br. Stephan Oppermann OSB

Es ist gut, in den Kartagen den Gedanken an das "Nichts" nicht auszusweichen. Gedanken zu "Requiem" von Tom Liwa und dem Triptychon "Triduum. Drei Mal heilig" von Bruder Stephan OSB. 

Von Peter Otten

Zwei Menschen. Der eine singt. Der andere ist gestorben. „Was hätte ich für Dich tun können?“ Der Text, voller melancholischer Lakonie. Was ist passiert: „Da ist nicht zu verstecken und nichts zu verstehn / Mein Herz schlägt weiter und Dein Herz bleibt stehn.“ So ist das gewesen bei dem, der da singt und seinem Freund, der gestorben ist. So passiert es tausendfach jeden Tag: Das eine Herz bleibt stehen. Das andere schlägt weiter. Der eine stirbt. Die andere lebt. Warum so und nicht andersrum? Keine Ahnung. „Ich habe diese Welt nicht erfunden / Die war immer hier.“ Hätte ich sie erfunden, vielleicht hätte ich sie anders gemacht. Vielleicht mit etwas, woran sich die Menschen offensichtlich festhalten können, damit der Tod sie nicht holt und nicht darüber nachsinnt oder schlicht das Los wirft, welches Herz nun weiter schlägt und welches stehenbleibt. Aber weil der, der da singt die Welt nicht erfunden hat, bleiben nur die beiden einsamen, tieftraurigen Zeilen, die im Song gleich drei Mal wiederholt werden:

Da ist nichts, woran wir uns beide festhalten können.

Montag, 15. April 2019

Café Nirgendwo


Foto: Peter Otten

Vielleicht geht die Angst. Wegen des Traums, der Erinnerung an die, die mit dir an dem Tisch sitzen. Gedanken zu „Triduum. Drei Mal Heilig“ von Bruder Stephan OSB und „This Dream Of You“ von Bob Dylan

Von Peter Otten


Es ist Nacht. Draußen ist es schwarz. Die Wolken und dazwischen das Tintenfaßblau. Du kannst nicht schlafen. Du bist schon ganz schwer eingeschlafen.  Oder war es vielleicht sogar anders: Du wolltest gar nicht einschlafen? Denn morgen wartet etwas auf dich: Etwas Schwieriges. Etwas Unangenehmes. Etwas sogar, das dir Angst machen kann. Etwas wartet auf dich, was du am liebsten überschlagen möchtest wie ein paar Seiten in einem Buch.


Wie lange kann ich in diesem Café Nirgendwo bleiben / Ehe die Nacht zum Tag wird / Ich frage mich warum ich solche Angst vor dem Morgengrauen habe.

Donnerstag, 14. März 2019

Ein bisschen besser reicht nicht

Screenshot: Peter Otten
Kulturwandel in der Kirche angesichts der Insolvenz

Von Peter Otten

Die diesjährige Kirchennummer der Stunksitzung hatte es in sich. Drei Mitarbeiter einer Reinigungsfirma sind damit beschäftigt, die Westfassade der Kölner Kathedrale von Taubenkot zu befreien. Die Dombauhütte macht Druck.Vergeblich. Es ist einfach zu viel, und es wird immer mehr: "Ich verstonn ja nit, wat dat soll. Jeiht doch sowiesu kinner mieh erinn in die volljekackte Kackkirche" sagt einer von ihnen. Normalerweise, so fährt er später fort, müssten vor jeder Kirche Warnhinweise stehen "wie bei einer Zerettepackung". Zwei Steinfiguren an der Fassade unterhalten sich derweil, was man denn geben solle, wenn jemand Oralsex beichte. "Keine Ahnung", sagt einer "ich gebe meinem Messdiener immer eine Packung Hanuta und eine Guthabenkarte von Nitendo."  Auf den versöhnlichen Hinweis einer der drei Arbeiter, die Kirche wolle doch nun alles aufklären, sagt ein anderer, die Kirche untersuche sich halt selber, und deswegen nenne man die Kirche schon "die FIFA unter den Religionen." Man mache sich ja mitschuldig, wenn man Kirchensteuerzahle, erklärt der Vorabeiter. "Un mir maache uns uch mitschuldisch, wenn m´r dä Duuvedriss fottmaache, dat ess Vortäuschung falscher Tatsachen. Kutt nöher, ming Duuvefründe, kutt nöher! Un dann fangt ihr anh ze drieße, und dann drießt ihr in einer Tour, un drießt su lange, bess die bedrissene Kirche fott ess." Und die drei machen auch mit. In einem E-Gitarren-Gewitter gestalten sie mit Farbe die Domfassade zu einer Teufelsfratze um.