Montag, 8. Oktober 2018

Nihil obstat

Screenshot: Peter Otten
Ansgar Wucherpfennig darf nicht mehr Rektor der Hochschule von St. Georgen sein, weil er Schwule gesegnet hat. Nichts steht der Solidarität entgegen.

Von Peter Otten

Positive Aussagen zur Homosexualität und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare haben nach Berichten des Kölner Stadt Anzeigers und der Frankfurter Rundschaun den Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen, den Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig, sein Amt gekostet. Demnach verweigert die Vatikan-Behörde dem im Februar für eine dritte zweijährige Amtszeit mit großer Mehrheit wiedergewählten Geistlichen das „Nihil Obstat“ (Unbedenklichkeitserklärung) und verlangt einen öffentlichen Widerruf seiner Positionen.

Grundlage der Vorwürfe scheint u.a. auch ein Interview gewesen zu sein, dass Wucherpfennig 2016 mit der Frankfurter Neuen Presse geführt hat.

Ich denke, die Zeit der offenen Solidarität ist gekommen. Ich stelle mich hinter alle Forderungen, die Wucherpfennig öffentlich formuliert hat. Ich finde sie theologisch überzeugend. Sie sind ein wichtiges geistgewirktes Zeichen der Zeit.

Freitag, 28. September 2018

Hirtensorge

Foto: Norbert Bauer
Die Bischöfe wollen sich den Betroffenen sexualisierter Gewalt zuwenden. Die Sorge um die Kirche darf dabei aber natürlich nicht aus dem Blick geraten.

Norbert Bauer

Ein Konveniat dient laut Amtsblatt dem „Miteinander der Kleriker und Laien im pastoralen Dienst.“ Das letzte Mal habe ich ein Konveniat 2010 besucht. Einige Tage zuvor wurde der jahrelange Missbrauch am Aloisius-Kolleg bekannt. Ein anwesender Jesuitenpater berichtete eindrücklich vom Ausmaß dieser Taten und was dies für seinen Orden bedeutet. Ich erinnere mich noch an seine Worte: „Wir Jesuiten sind die Täter.“ Nach seinem langen Statement herrschte erst einmal Schweigen. Bis ein anwesender Prälat fragte, ob das denn wirklich alles so stimme? Und schnell kippte die Stimmung. Die vermeintlichen Opfer wollten mit ihren Geschichten doch nur Geld machen. Und natürlich der Kirche schaden. Nach diesen Aussagen war für mich klar, dass ich an solch gemeinschaftsbildenden Maßnahmen nicht mehr teilnehmen wollte.

Dienstag, 21. August 2018

Ich war das nicht

Screenshot: Peter Otten
Der Papst hat an das Volk Gottes geschrieben. Aber was hat das Volk Gottes mit den Verbrechen sexualisierter Gewalt eigentlich zu tun? Es ist höchste Zeit, mit den Übergriffigkeiten Schluss zu machen.

Von Peter Otten

Der Papst hat an das Volk Gottes geschrieben. Als getaufter Christ gehöre ich wohl dazu, und so beginne ich zu lesen. "Wenn wir auf die Vergangenheit blicken, ist es nie genug, was wir tun, wenn wir um Verzeihung bitten und versuchen, den entstandenen Schaden wiedergutzumachen" schreibt Franziskus. "Der Schmerz der Opfer und ihrer Familien ist auch unser Schmerz; deshalb müssen wir dringend noch einmal unsere Anstrengung verstärken, den Schutz von Minderjährigen und von Erwachsenen in Situationen der Anfälligkeit zu gewährleisten."

Ich stutze. Wen um Himmels Willen meint der Papst mit "wir"? 

Na klar, er meint das Volk Gottes. Also den Washingtoner Erzbischof Wuerl, der laut einem Bericht der FAZ den Priester George Zirwas, der schlussendlich in Kuba seine Verbrechen verübte nach dessen Tod als gottesfürchtigen Menschen pries. Er meint vermutlich meine verstorbene Mutter, die bis zu ihrem Tod so oft wie sie konnte mehrfach in der Woche mit ihrem roten Fiesta zu ihrer Heimatkirche gefahren ist, um die Messe mitzufeiern. Meint er auch die Kommunionkinder und ihre Eltern, die in diesem Jahr in St. Agnes zur Kommunion gegangen sind? Hm. Sicher aber meint er dich und er meint mich.

Montag, 23. Juli 2018

Keine Frauensache, aber ein Fest für die ganze Kirche

Dr. Regina Illemann (KDFB) Foto: Georg Müller
Zu nichts weniger, sind alle Gläubigen beauftragt: weiterzutragen, was wir mit dem lebendigen Gott erleben – nach dem Beispiel der Maria Magdalena, aber völlig unabhängig davon, welches Geschlecht wir persönlich haben. 

Predigt von Dr. Regina Illemann am Vorabend des Festes der heiligen Maria Magdalena am 21. Juli 2018 in St. Agnes


Liebe Schwestern und Brüder!

Sie kennen die Szene des heutigen Evangeliums (Joh, 20, 1-2; 11-18), die der Schlüsseltext für das heutige Fest ist: Am Ostermorgen als die anderen Jüngerinnen und Jünger wieder weg waren, stand Maria Magdalena noch erschüttert am leeren Grab. Weinte. Suchte weiter. Die Begegnung des Auferstandenen mit seiner Jüngerin wird zu einer liebevollen Mischung aus Suchen, Finden und Gefunden Werden. In dieser österlichen Begegnung der beiden eng Vertrauten wird Maria Magdalena zur Apostolin: Christus sendet sie aus mit dem Auftrag, sein neues Leben zu verkündigen – und das tut sie!

Samstag, 16. Juni 2018

Wenn der Pastor zweimal klingelt

Erik Flügge hat nach seinem Bestseller „Die Kirche verreckt an ihrer Sprache“ ein zweites Buch vorgelegt. Zusammen mit dem Kommunikationsberater David Holte plädiert er für „Eine Kirche für Viele“. Es könnte aber sein, dass am Ende sich nur noch wenige für die Kirche interessieren.
 

Von Norbert Bauer
 

Jedes Jahr erscheint ein „Schwarzbuch“ mit dem der Bund der Steuerzahler auf die Verschwendung öffentlicher Gelder aufmerksam macht. Mit „Eine Kirche für Viele“ hat Erik Flügge nun sein Schwarzbuch vorgelegt. Während sich der Bund der Steuerzahler über vermeintliche Luxus-Mülltonnen beklagt, regt sich Flügge über Gemeindehäuser und Pfarrämter auf: „Klar, auch ich könnte in ein muffiges Gemeindehaus gehen, um am Seniorennachmittag teilzunehmen – nur will ich das nicht.“ (9) Für ihn sind diese Räume pure Kirchensteuerverschwendung. Nun sind Steuern keine Zahlungen, die mit der kalkulierten Hoffnung auf möglichst maximale persönliche Gegenleistung gezahlt werden. Mit Steuern finanziere ich vor allem ein Gemeinwohl, auch mit meinen Kirchensteuern. Während ich diese Rezension schreibe, probt nebenan im Pfarrsaal ein Chor persischer Frauen. Sie bezahlen keine hohe Miete und sind noch nicht mal katholisch. Trotzdem halte ich meine Kirchensteuern dort für bestens investiert.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Causa finita

Screenshot FAZ vom 30.5.2018 (Peter Otten)
Man ist es leid, immer ausgefuchstere Begründungen für die Diskriminierung von Frauen in der Kirche zu hören. Dabei hatte Gott bei der Offenbarungsidee halt nur die Auswahl zwischen Kopf und Zahl. Ist das ein Grund für die Kerle für alle Zeiten überzureagieren? Wahrscheinlichkeitsrechnung würde schon helfen.

Von Peter Otten

Als Gott darüber nachdachte, es wäre vielleicht eine gute Idee, sich den Menschen in der Geschichte zu offenbaren hatte er genau zwei Möglichkeiten. Vielleicht hat er dann eine Münze hochgeworfen, Kopf = Junge und Zahl = Mädchen. Oder umgekehrt. Jedenfalls wurde es dann ein Junge. Aber, hey, es hätte halt auch ein Mädchen werden können. Fifty-Fifty-Chance halt. Es hätte auch anders kommen können. Muss man da gleich so überreagieren? We Kerle are the Champions? Weil Jesus ein Mann war? Jungs, habt ihr gepennt, als in der Schule Wahrscheinlichkeitsrechnung dran war?

Samstag, 26. Mai 2018

Azzurro

"Azzurro"-Himmel enden nirgends. Gekürzte und leicht geänderte Ansprache  zur Trauerfeier von P.

Von Peter Otten


Azzurro 

Das ganze Jahr such' ich den Sommer
und jetzt auf einmal ist er schon da.

Sie ist runter ans Meer gefahren
ich bin alleine hier in der Stadt,

über den Dächern hör ich's zischen
ein Flugzeug fliegt wohl gerade weg.

Azzurro, himmelblau,

der Nachmittag ist viel zu blau und zu lang für mich.
Ich merke, ich krieg' hier nichts mehr auf die Reihe,
so ohne dich.

Und beinah, beinah steig' ich dann in den Zug
und komme, komme zu dir,
doch in meinen Gedanken
fährt der Zug der Sehnsucht andersrum.


Um das, was Adriano Celentano hier singt, darum geht es heute. Denn wer von Ihnen würde nicht gerne heute in den Zug steigen und P. hinterherfahren? Aber das genau geht nicht. Es geht nicht einmal „beinahe“, es geht gar nicht. Oder auch: Bei wem von Ihnen fährt der Zug der Sehnsucht nicht andersherum? Konkret: P., komm du doch zurück! Doch auch das geht - nicht.

Wem gehört das Himmelreich? Wer wem gehört der Himmel, von dem das Lied singt, er sei zu sehr „azzurro“, dass es für einen allein zu blau, zu viel ist?

Klar, werden Sie sagen. Er gehört uns. Oder er hat uns gehört. Wir dachten, ein bisschen lebten wir mit P. im Himmel. Er war doch mein Sohn – an ihn durfte ich das Leben weitergeben. Er war doch mein Bruder – und hat mir die Welt gezeigt, als ich klein war. Er war mein Mann – mit dem mein Leben rund und schön war. Er war doch mein Vater. Einen besseren findest du nicht. Er war doch mein Opa. Und hat mit mir uns meinen Autos gespielt. Das ist doch der Himmel. Himmelblauer geht es nicht.