Donnerstag, 14. März 2019

Ein bisschen besser reicht nicht

Screenshot: Peter Otten
Kulturwandel in der Kirche angesichts der Insolvenz

Von Peter Otten

Die diesjährige Kirchennummer der Stunksitzung hatte es in sich. Drei Mitarbeiter einer Reinigungsfirma sind damit beschäftigt, die Westfassade der Kölner Kathedrale von Taubenkot zu befreien. Die Dombauhütte macht Druck.Vergeblich. Es ist einfach zu viel, und es wird immer mehr: "Ich verstonn ja nit, wat dat soll. Jeiht doch sowiesu kinner mieh erinn in die volljekackte Kackkirche" sagt einer von ihnen. Normalerweise, so fährt er später fort, müssten vor jeder Kirche Warnhinweise stehen "wie bei einer Zerettepackung". Zwei Steinfiguren an der Fassade unterhalten sich derweil, was man denn geben solle, wenn jemand Oralsex beichte. "Keine Ahnung", sagt einer "ich gebe meinem Messdiener immer eine Packung Hanuta und eine Guthabenkarte von Nitendo."  Auf den versöhnlichen Hinweis einer der drei Arbeiter, die Kirche wolle doch nun alles aufklären, sagt ein anderer, die Kirche untersuche sich halt selber, und deswegen nenne man die Kirche schon "die FIFA unter den Religionen." Man mache sich ja mitschuldig, wenn man Kirchensteuerzahle, erklärt der Vorabeiter. "Un mir maache uns uch mitschuldisch, wenn m´r dä Duuvedriss fottmaache, dat ess Vortäuschung falscher Tatsachen. Kutt nöher, ming Duuvefründe, kutt nöher! Un dann fangt ihr anh ze drieße, und dann drießt ihr in einer Tour, un drießt su lange, bess die bedrissene Kirche fott ess." Und die drei machen auch mit. In einem E-Gitarren-Gewitter gestalten sie mit Farbe die Domfassade zu einer Teufelsfratze um.

Klerikaler Seitensprung?

Ausschnitt CIC, mit Studiennotizen
Wer von Missbrauch spricht kann offenbar vom Zölibat nicht schweigen. Sexuelle Gewalt ist kein klerikaler Seitensprung. Ein Einspruch.

Von Norbert Bauer

Ein verheirateter Sexualstraftäter steht vor Gericht. Der Vorwurf lautet: „Ehebruch und Untreue.“ Nicht nur das Opfer würde denken: „Merkwürdige Anklagepunkte.“ Tatsächlich ist es absurd das Verbrechen der sexualisierten Gewalt unter der Perspektive „Seitensprung“ zu beurteilen. Für einen katholischen Priester scheinen aber andere Maßstäbe zu bestehen. Einem Priester, der des sexuellen Missbrauchs schuldig ist, wird vorgeworfen, das Zölibatsversprechen gebrochen zu haben. So fordert z.B. Werner Kleine in seinem Standpunkt auf katholisch.de: „Wer den Zölibat derart irregulär lebt, muss die Altäre der Welt meiden.“ Es mag zahlreiche Gründe geben, weswegen ein klerikaler Sexualstraftäter seinen Dienst nicht mehr ausüben soll. Dass seine Straftat vor allem ein Verstoß gegen die „vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen“ (277 § 1 CIC) sein könnte, kommt mir da aber nicht in den Sinn.
Missbrauch als Zölibatsvergehen. Diese Logik bedient auch Papst Franziskus.

Sonntag, 24. Februar 2019

Zehn lange Abende

Kardinal Kasper widerspricht Kardinal Müller. Solche Schlagzeilen liest der liberale Katholik gern. Aber ist der Widerspruch wirklich so groß?

von Norbert Bauer


Screenshot Norbert Bauer

Wenn die Kardinäle Brandmüller, Müller und Burke mit ihren Manifesten und Briefen wieder für Verwirrung sorgen, hofft der liberale Katholik darauf, dass Kardinal Kasper mit einer Klarstellung die katholische Ordnung wieder herstellt. Seit Jahren gelingt es dem Ökumeneexperten mit dem Airbag namens „Barmherzigkeit“ die heftigsten Zusammenstöße mit dem katholischen Kirchenrecht und der Dogmatik abzufedern. Auch ich habe mich erleichtert gezeigt, als Kardinal Kasper letzte Woche das Glaubensmanifest seines Kollegen Müllers kritisierte und mit ihm das freundliche Gesicht des Katholizismus um die Ecke schaute.

Samstag, 9. Februar 2019

Dorade mit Zimt


Und ich merke heute wo ich auf Ihrem Sofa sitze Sie sind mein Vorbild so ist das einwandfrei und sie schweigt einen Moment und dann noch einen und sie sagt ganz leise das hat mir noch keiner gesagt und ich sage mag sein dann wurde es aber höchste Zeit.

Preacher Slam / Zeitfenster Gottesdienst / 8. Februar 2019 Peter Otten

     Video: Konrad Neuwirth, Zeitfenster Aachen

Ihr Mann konnte kochen Mensch kochen konnte der eine Wucht war das sie konnte das ja nicht so er konnte das gefüllte Paprika konnte er kochen wie niemand sonst weil er konnte würzen mein Gott würzen konnte der und wer kocht ihr jetzt Dorade im Ofen mit Zitrone und ein paar Fingerspitzen voll Salz und kaum zu glauben ein paar Wolken Zimt ist aber so müssen Sie mal probieren Dorade so zart dass das weiße Fleisch von den Gräten fällt wer kocht ihr das jetzt fragt sie mich und ich weiß keine Antwort.

Sie hat Ferdi vor zehn Jahren geheiratet das ist ja manchmal so hat sie gesagt da wartest du und wartest und wartest und hast die Hoffnung schon aufgegeben denn du hast an all die Kerle gedacht all die Nichtsnutze und du hast gesagt das brauche ich echt nicht mehr und bist da drinnen schon ganz still geworden und auf einmal sitzt er neben ihr wieder mal sie kennt ihn schon lange groß ist er und schwer ist er wie ein verlorenes Kind und trotzdem die Grübchen und der Schnäuzer und das bunte Hemd mit den aufgekrempelten Ärmeln und sie hat sich gefragt warum sie nicht schon längst auf die Idee gekommen ist und als er sich umdreht und als sie sich umdreht mit dem Glas in der Hand da ist auf einmal alles klar und sie braucht gar keine Antwort.

Dienstag, 15. Januar 2019

Drei Marias und ein Lieblingsjünger


Treue bedeutet, die Tragödie durchzutragen. Gedanken bei der Beerdigung eines schwer kranken Menschen. Er und seine Frau haben sich sehr geliebt.

Von Peter Otten
 
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Ich möchte zunächst bei dem Bild aus der Geschichte bleiben. Jesus stirbt. Seine Freundinnen und Freunde können es nicht begreifen und sind verzweifelt. Der, der das Gute in ihr Leben gebracht hat – ausgerechnet er? Warum? Welchen Sinn macht das? Für sie bricht eine Welt zusammen. Sie bricht in Schutt und Asche zusammen. Alles was galt gilt nun nicht mehr. Alles, worauf sie sich verlassen haben – es ist perdu. Pulverisiert. Daher machen die, die ihm bis daorthin gefolgt sind etwas Folgerichtiges: Sie nehmen ihre Beine in die Hand und hauen ab. Weg von diesem Ort und diesem Geschehen, das sie nicht kapieren.

Freitag, 11. Januar 2019

Und das Wort ist treu

Im Anfang war das Wort, und das Wort ist treu.

Gedanken bei der Bestattung eines Schriftstellers

Von Peter Otten


Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 

Wenn einer, der schreibt stirbt – gibt es dann ein besseres Stück aus der Bibel zu lesen als den Johannesprolog? Am Anfang war das Wort. Das war J. Er, der von Anfang an ein Interesse für Sprache, fürs Schreiben hatte. "Am Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott." Das Wort, das zu einem Satz wird, zu einem Gedanken, zu einer Geschichte, zu einem Roman. Das schöpferische Wort. Und der, der das Wort schreibt und selbst zum Schöpfer wird. „Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts.“ Das schöpferische Wort. Der Schöpfer. Das war J.

Dienstag, 11. Dezember 2018

Du, wunderschöne Hoffnung

Screenshot: Peter Otten
Es fällt mir leichter in dem Wahnsinn zu hoffen, wenn du mit mir hoffst. Es ist leichter, wenn ich dich sehe und merke, wie ein Lied, das zum Gebet wird und sein Rhythmus uns verbindet.

Von Peter Otten

Kontra K: Hoffnung
 

Denn nur du stirbst zuletzt, schenkst uns den Glauben an uns selbst
Und dass Morgen alles besser wird als jetzt
Du nimmst uns die Schmerzen von heute
Du wunderschöne Hoffnung, oh du wunderschöne Hoffnung
Denn nur du stirbst zuletzt, schenkst uns den Glauben an uns selbst
Und dass Morgen alles besser wird als jetzt
Beschütz unsere Träume
Du wunderschöne Hoffnung, oh du wunderschöne Hoffnung, bitte geh nicht weg

Songwriter: Daniel Grossmann / Matthias Mania / Maximilian Diehn 

Songtext von Hoffnung © Budde Music Publishing GmbH (der ganze Text: hier)
 

Ich bin auf dieses Lied aufmerksam geworden, als ich gebeten wurde, für einen verstorbenen Jugendlichen eine Trauerfeier vorzubereiten. Ich dachte darüber nach mit seinen Freundinnen und Freunden zusammen zu sitzen und Musik zu hören. Aber welche bloß? Die Tochter eines Freundes kam dann mit diesem Stück. Eine Entdeckung.