Donnerstag, 16. Februar 2017

Hübsch ist wichtiger

Beim Kongress „Für eine Kirche, die Platz macht“ feiert sich die katholische Kirche für ihre Innovationskompentenz. Beim Galaabend wird aber deutlich, für wen diese Kirche weiterhin keinen Platz macht.

Von Norbert Bauer.

Galaabend beim Kongress „Für eine Kirche, die Platz macht.“ Weiße Tischdecken, Kerzen und Blumen verleihen der tagsüber gläsern-hellen Mensa der Ruhr-Uni Bochum einen feierlichen Charakter. Nachdem das Set der jungen Jazzmusiker beendet und das Buffet leer gegessen ist, betritt Prof. Sellmann die Bühne und kündet den Moderator für das folgende Programm an. Christoph Krachten, der ansonsten die ausverkauften Videodays in der Köln-Arena moderiert, hat die Präsentation des Abends total gerne übernommen, denn er sei ja schließlich auch katholisch und kündet umgehend die Sensation des Abends an. Die Verleihung des ersten zap-Innovationspreises. Ein weiterer Mann betritt die Bühne. Robert Baumanns, Laudator des Preisträgers und Kirchenexperte der Kölner Boulevard Zeitung EXPRESS, was natürlich den Vorteil hat, dass man am nächsten Tag zumindest im EXPRESS nicht nur Bilder von "lecker Mädchen" zu sehen waren, sondern auch die Meldung, dass der „EXPRESS-Redakteur Robert Baumanns die Laudatio auf den Domprobst gehalten hat.“ Ausgezeichnet mit dem ersten zap-Innovationspreis wurde nämlich Prälat Bachner für seine Durchsetzungskraft, das zap-Projekt „silentMOD“ im Kölner Dom gegen alle Widerstände durchzusetzen. Die Idee der Jury (welche Jury eigentlich?) den ersten zap-Innnovationspreis an jemanden verleihen, hat ein gewisses Geschmäckle. Die „Gänsehautatmosphäre“ (Christoph Krachten) des Abends wurde durch diese Selbstreferentialität aber nicht gestört.  

Bevor die Professoren Sellmann und Spielberg am Ende des Abends mit der Gründung der zap-Stiftung den nächsten Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des zaps verkündeten, durfte zum ersten Mal am Abend eine Frau die Bühne betreten. Die Poetry Slammerin Fee Brembeck spielte in ihrem Vortrag „wenn schlau das neue schön wäre“ gekonnt mit Frau/Mann Klischees und kam deswegen auch nicht drumherum, am Ende ihr Dekolleté hervorzuheben:"Weil im Moment hübsch doch noch ein bisschen wichtiger ist." Der Saal lachte und freute sich darüber, wie verschmitzt locker doch so eine katholische Gesellschaft sein kann. Die Stimmung war prächtig - von Kirchenkrise nichts zu spüren. Bis Christoph Krachten die junge Theologin fragte, wofür denn ihrer Meinung nach die „Kirche Platz machen sollte.“ Ihre Antwort lautete schlicht: „Für die Ordination von Frauen“. Die Stimmung im Saal sank. Mit dieser Antwort hatten die „480 Persönlichkeiten des deutschen Katholizismus“ (EXPRESS) nun nicht gerechnet, denn sie passte so gar nicht in die „we make Catholic Church great again“ Stimmung des Abends. Aber vielleicht markiert dieser Moment genau das Dilemma des Kongresses. Das Silicon Valley des deutschen Katholizismus will die Kirche mit innovativem Design und Performing wieder marktfähig machen, muss aber zugleich ihre nicht mehr zeitgemäße Grundkonstruktion ignorieren. Denn die besteht weiterhin darin, dass trotz aller Lebensstildifferenzierungsbemühungen hinsichtlich des hauptamtlichen Personals die Kirche nur zwei Milieus kennt: geweihte Männer und die anderen. Zwar konstatiert das Thesenmagazin des Kongresses, dass „die Bindung kirchlicher Leitungsfunktionen an die Weihe in der modernen westlichen Welt auf Akzeptanzprobleme stößt“, in der mündlichen Einladung zur Panelpräsentation geht man mit dem Akzeptanzproblem hingegen locker um: der RTL-Winnetou wird zum Role Model kirchlicher Leitung gekürt, da ja auch seine Schwester Nscho-tschi was zu sagen hatte.

Ich weiß, dass Frauenthema stört und nervt. Aber Tabuisieren wird das beste Change-Management-Vorhaben weiterhin ins Schleudern bringen. Denn die Frauenfrage ist nicht nur eine Ressourcenfrage für die katholische Kirche. Sie ist vor allem eine Gerechtigkeitsfrage. Sie ist zu allererst eine Gottesfrage. Denn was Marius Stelzer und Marko Heyse in ihren Thesen zu Panel 9 des Kongresses mit Hinblick auf kirchliche Milieus sagen, gilt zugleich auch für Verengung des Zugangs von Frauen zu kirchlichen Ämtern: „Milieuverengung ist immer auch Gottesverengung“.



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