Samstag, 20. Februar 2016

Servicezeit

Foto: Peter Otten
In der katholischen Kirche sollen die Hauptamtlichen plötzlich das Problem dafür sein, dass sich die
Kirche angeblich nicht konzilsgemäß verwirklichen kann. Zukünftig soll das Charisma entscheidend sein. Eine Verteidigung der Professionalität.

Von Peter Otten

Auf einer meiner letzten Stellen hatte es sich der Pfarrer zum Prinzip gemacht, jedem Menschen mit einem wichtigen seelsorgerischen Anliegen innerhalb von 24 Stunden einen Termin für ein persönliches Gespräch zu ermöglichen. Dies galt nicht nur, aber besonders in Sterbefällen, aber auch in Fragen seelischer oder sozialer Not. Seine Begründung lautete stets: "Der wichtigste Aspekt guter Seelsorge ist guter Service." Die klassischen Dinge: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Empathie, inhaltliche und formale Professionalität. Uns sagte er beispielsweise: "Erwische ich euch einmal, wie ihr mit dem Taxi zum Friedhof fahrt, dann gibts Ärger. Taxikosten auf der Bestatterrechnung - da fragen sich die Leute zu Recht, ob wir noch alle Latten am Zaun haben." Wenn ich heute mit ihm spreche erzählt er immer noch oft von den Beerdigungen. Nicht selten sind es fünf, sechs oder sieben in der Woche. Zwei große Krankenhäuser und eine Vielzahl von Altenheimen sorgen dafür. Eine seiner wichtigsten Vokabeln ist "abarbeiten". Das ist gar nicht so kalt gemeint wie es klingt: "Die Menschen haben das Recht auf guten Service, und mein Job ist es, mich so zu organisieren, dass das geht."

Wer heute mit Menschen spricht, die den Service der Kirche in Trauerfällen abrufen möchten, bekommt aber auch oft eine andere Sicht der Dinge berichtet: Angehörige, die sich durch unübersichtliche Internetseiten von Pfarreien wühlen. Die an nicht besetzten Pfarrbüros oder abgeschalteten Notfallhandys stranden. Die vertröstet werden - nicht man selber, sondern der Nachbarpfarrer sei "zuständig". Der Tod hält sich aber nicht an Öffnungszeiten oder Zuständigkeiten. Menschen in diesen Drucksituationen sollen sich in ihrer Not bisweilen ins Generalvikariat durchtelefonieren. Was läge hier auf der Hand? Für jede Angelegenheit gibt es in Deutschland einen Service: Ob es die im Internet bestellte Jeans ist, die doch nicht passt; ob es das Konto ist, das gesperrt werden muss oder sei es der Notdienst in der Apotheke. Warum gibt es das im Rahmen der Kirche eigentlich nicht für Tod, Trauer und Beerdigung? Wie einfach wäre ein zentrales Callcenter zu organisieren, wo ein trauernder, verzweifelter Mensch sicher sein kann, dass ihm in jedem Fall jemand weiterhilft. Wenn wir schon ein Jahr der Barmherzigkeit wie eine Monstranz vor uns her tragen - wäre das nicht ein konkreter - ähem - Service: Tote beerdigen? Wo liegt das Problem, dies zum Beispiel in einer Großstadt wie Köln zu organisieren? Es wäre hochprofessionelle, hochmoderne, serviceorientierte Seelsorge.

Doch Begriffe wie "Service" oder "Dienstleistung" scheinen in der Kirche unter Verdacht zu stehen. Menschen, die lediglich eine ordentliche Taufe für ihre Kinder wünschen, eine festliche Hochzeit oder Beistand in Krankheit, Trauer oder Tod scheinen zunehmend einer Art Musterung unterzogen zu werden: Ich kenne die nicht, die wollen doch nur das Fest, die können nicht mitbeten, die haben vom Glauben keine Ahnung. Das führt nicht selten zu Frust, wie auch der Text von Pfarrer Thomas Frings zeigt, der in dieser Woche im Internet für Aufsehen gesorgt hat. Dabei scheinen vielfach schlicht die Erwartungen nicht geklärt. Nicht nur der neue Hirtenbrief von Kardinal Rainer-Maria Woelki operiert nun an vielen Stellen mit dem Begriff einer Kirche der Versorgung, die überwunden werden müsse: "Weg von einer versorgten Kirche durch Hauptberufliche hinzu einer miteinander gestaltenden, getragenen und verantworteten Kirche...“. Der Hautberufliche (wer ist damit eigentich gemeint? Neben Priestern, Diakonen, Pastoral- und GemeindereferentInnen auch die so genannten Folgedienste? Erzieherinnen und Erzieher? Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter?) wird also als "Versorger" beschrieben. Laut wikipedia ist mit dem Bergriff Versorger "die Person (gemeint), die den Lebensunterhalt einer Familie übernimmt, siehe Ernährermodell". Es stellt sich die Frage, ob das tatsächlich ein zutreffendes Bild der momentanen Gemeindesituation ist. Meine persönliche Erfahrung im Hinblick auf Gruppen, Initiativen und Verbände ist das jedenfalls überhaupt nicht. Ich selbst habe mich übrigens auch noch nie als Versorger empfunden. Wohl aber als jemand, von dem andere Menschen eine professionelle Dienstleistung erwarten, zu der ich aufgrund von Studium und weiteren Qualifikationen in der Lage sein sollte. Nebenbei: Können wir in der Kirche nicht froh sein, dass gerade in diesen Monaten professionelle Mitarbeitende in den Kirchen für einen professionellen Umgang mit den Menschen sorgen, die bei uns Zuflucht finden?

Was wäre so schlimm daran, wenn andere Menschen genau das von mir erwarten würden: das ich schlicht meinen Job mache, und zwar bestmöglich? In Zeiten, wo in jedem Semester an den Universitäten in Deutschland neue Studengänge für immer neue spezielle Professionen entstehen scheint die Kirche ihre Zukunft ausgerechnet im Abbau von Professionalität zu sehen. Die Hauptamtlichkeit scheint auf einmal das Problem dafür zu sein, das "das Kirchenbild des Zweiten Vatikanums" sich nicht durchsetzen konnte: das Volk Gottes unterwegs, begleitet und gecoacht vom "dienenden Hirtenamt" und organisiert von "nicht dominierenden Leitungsformen auf den unterschiedlichen Ebenen". Ist das wirklich das Kirchenbild des Konzils? Erstaunlich, dass die communio hierarchica im Hirtenbrief diskret verschwiegen wird, obwohl sie im Weihepriestertum durch die Hintertür wieder sehr deutlich auftaucht. Katholische Gleichheit bedeutet gleiche Würde, allerdings unterschiedliche Rechte.

Die Apostelgeschichte zeigt, dass die Kirche schon in ihren Anfängen aus "Kirchensympathisanten" bestand. Dort werden sie als eine Menge von staunenden Menschen beschrieben. Diese Sympathisanten werden in Zukunft immer mehr werden, sagt der Pastoraltheologe Christian Bauer: „Es gab sogar die, denen Jesus nur ein einziges Mal begegnet ist. Obwohl er sie in keine seiner Gruppen berufen hat, haben sie doch vollgültiges Heil erfahren.“ Was ist mit den Menschen, die einfach nur staunen und nicht die Bibel teilen wollen? Was ist mit den Menschen, die einfach nur ihre Kirchensteuer zahlen wollen? Jedenfalls haben sie ein Recht auf Professionalität. In den Überlegungen zur Neustruktur in vielen Bistümern Deutschlands stecke denn auch ein Denkfehler, sagte vor wenigen Tagen wieder der Paderborner Pastoraltheologe Herbert Haslinger: Sie folgten "allesamt der Maxime, dass nun in möglichst großem Umfang die Gläubigen selber in Form von ehrenamtlichem Engagement anstelle der hauptamtlichen Seelsorger das kirchliche Leben vor Ort in den Gemeinden bewerkstelligen sollten. Die neuen pastoralen Strukturen forcieren damit exzessiv eine Idee, die sich in den vergangenen Jahrzehnten wie ein unhinterfragbares Dogma in die Gehirne eingebrannt hat: Aufgabe der Gläubigen sei es, durch Teilnahme, Engagement und Bindungsbereitschaft den Bestand der Kirche zu bewahren; Gemeindemitglieder würden sich in dem Maße als gute Christen erweisen, in dem sie durch Mitarbeit zur Lebendigkeit von Kirche und Gemeinde beitragen. Genau hier passiert die fatale Umkippung von Zweck und Mittel: Die Kirche macht sich selbst zum Zweck und die Menschen zu ihren Instrumenten." Die Lebendigkeit der Kirche ist nicht entscheidend für das Heil der Welt. Diese Ambivalenz mag schwer erträglich und mitunter demotivierend sein, jedoch vergessen wir nicht: Am Karfreitag, als sich alles zum Guten wenden sollte, war Gott quasi allein.

Die Menschen sind nicht für die Kirche da, sondern die Kirche für die Menschen. Nichts anderes bedeutet der Gedanke vom Grundsakrament Kirche, nichts anderes bedeutet der Gedanke von der Kirche in der Welt. Dazu braucht es die besten Spezialisten, die zu finden sind - auch solche, die selbstverständlich dafür bezahlt werden, weil sie professionell und gut ausgebildet sind.

Kommentare:

  1. Im Bistum Hildesheim sind Hauptamtliche ausschließlich Priester und Hauptberufliche Pastoral-und GemeindereferentInnen

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  2. Grundsätzlich unterstütze ich das Plädoyer für Professionalität in der Kirche. Ich bekomme als Hauptamtlicher aber ein beklemmendes Gefühl, wenn ich an die berechtigten professionellen Service-Erwartungen an die immer weniger werdenden Hauptamtlichen denke. Das ist leicht gesagt, dass ich mich halt so organisieren muss, dass das machbar ist. Irgendwo hat es eine natürliche Grenze in der persönlichen Auslastung. Und dann?

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    1. Ich stimme dir zu: professionelle SeelsorgerInnen beispielsweise werden weniger. Was aber ist die Konsequenz? Sicher nicht sich selbst bis zur Erschöpfung aufzuopfern. Aber andererseist sicherlich auch nicht der Verzicht auf Professionalität. Gerade das Projekt "Zeitfenster" ist doch ein Beispiel für die ungebrochene Attraktivität professionellen Arbeitens in der Kirche. Die Frage ist doch: Weise ich dauernd auf den Mangel hin (und richte mich darin ein) oder nutze ich die Vielfältigkeit, die Freiheit, die Kreativität .... des Arbeitens um gutes motiviertes Personal zu gewinnen?

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  3. Lieber Herr Otten, Ihren Beitrag sehe ich als "normaler Laien" mit wöchentlichem Kirchgang sehr kritisch. Hierüber ließe sich sehr weit ausholen, wozu dieses Forum kaum geeignet ist. Daher versuche ich es kurz: Wenn ich die Wahl habe zwischen der professionelle und einer existenziellen Verkündigung, zieht mich letztere mehr an. Sicherlich setzt die Verkündigung ein gewisses (auch intelektuelles) Niveau voraus. Aber der von Petrus und Johannes angespochene Impuls "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4, 20) fehlt mir völlig, wenn Sie Ihre tätige Verkündigung des Evangeliums als professionellen Service darstellen. Vielleicht ist Ihre Herangehensweise bei mir schief angekommen, aber ich entnehme aus Ihrer Darstellung leider nicht die existenzielle Glaubensbegeisterung, die wir so dringend brauchen. Diese Begeisterung auch und gerade bei hauptamtlichen Kirchenmitarbeitern ist vielleicht gerade das, was uns Gläubigen am meisten fehlt und wohl auch unser Papst bei den dt. Bischöfen angemahnt hat. Für diese anregende Begeisterung verzichte ich hier und da auch gerne und ausdrücklich auf etwas Professionalität. Wie können wir eine existenzielle Begeisterung für den Glauben an den auferstandenen Herrn in der Kirche neu entfachen? - das ist die Kernfrage. Dann ginge es "warm" und machmal "heiß" in der Kirche zu; Professionalität wirkt demgegenüber oft etwas kühl.
    Ihnen Gottes Segen!
    DV

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    1. Für mich ist professionelle und existenzielle Verkündigung überhaupt kein Gegensatz, im Gegenteil: ich meine, dass beides unbedingt zusammengehört. Ohne existenzielles Moment keine Profesionalität, aber existenzielle Verankerung wird ohne Profesionalität eben auch schnell hohl. In vielen neutestamentlichen Heilungsgeschichten steht die Ausgangefrage Jesu: Was kann ich für dich tun? Dahinter verbirgt sich eine unbedingte bedingungslose Zuwendung zum Gegenüber. Darum geht es mir. Professionalität ist eben genau nicht kaltes Abarbeiten von Vorgängen. Im Wort Profession kann man ja auch die leidenschaft finden. Auf diesem Hintergrund will ich ja nur anmerken, dass wir zukünftig Seelsorge nicht allein auf Charismen und freiwilliges Tun organisieren können. Zwar auch, aber eben nicht nur. Mir geht es aber vor allem auch um die "circumstantes", die Menschen, die beobachten, staunen - aber eben sich nicht sofort institutionell einfügen lassen in Gruppen und Strukturen. Sie sind in den bezügen, in denen ich tätig war und bin eben in großer Zahl anzutreffen. Damit meine ich denjenigen, der vielleicht nur manchmal eine Messfeier mitfeiert oder der in prekären Lebenssituationen Trost, Hilfe, Feierlichkeit, Transzendenzerfahrung... sucht. Ich sage ja nur, dass wir sie nicht übergehen dürfen, denn auch sie sind getauft und gefirmt, und auch ihren Anliegen ist respektvoll und, ja, professionell - mit Sachverstand und Leidenschaft - zu begegnen.

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  4. Lieber Herr Otten, ich habe Ihren Beitrag auf katholisch.de gelesen und finde ihn sehr interessant.

    Ich teile Ihre Ansicht überhaupt nicht, das vornweg - vor allem mit Blick auf das, wie die Kirche mehrheitlich andernorts lebt (also eigentlich überall außerhalb des dt. Sprachraumes).

    Der letzte Absatz beginnt sehr korrekt und endet sehr falsch, anscheinend vor allem deswegen, weil der erste Satz bei richtigen Wörtern falsch gemeint zu sein scheint. Natürlich ist die Kirche für die Menschen da - aber vor allem für die, die ihr nicht angehören! Das Volk Gottes als das neue Israel hat eine stellvertretende Funktion für all diejenigen auszuüben, die nicht dazugehören. In der Kirche gab es schon immer die Kontemplativen, die für die beteten, die nicht mehr beten konnten oder wollten - Stellvertretung in Reinstform - genauso sind die Glieder der Kirche für das Heil der anderen da.

    Daher kann man die Kirche auch nicht in Dienstleister und Dienstempfänger innerhalb ihrer selbst aufteilen, ohne sie im tiefsten zu pervetieren. Daß das faktishe Leben anders aussieht, ist mir klar, aber schon Jesus hatte etwas gegen eine Normativität des Faktischen.

    Genau diese Serviceorientierung des anfangs genannten Pfarrers, die das gemeinsame Volk Gottes in Geber und Empfänger unterteilt - und zwar ausschließlich aufgrund innerkirchlicher Lebensvollzüge, der weltliche Dienst der Laien wird vollkommen ausgeblendet (wenn Sie zu einem Arzt gehen, der seine Berufung aus katholischer Überzeugung lebt, dann ist das kirchlicher Dienst, Stellvertretung!) - hat die reine kritisierte Versorgermentalität im Auge. Ich und meine "Kunden". Mission spielt natürlich keine Rolle (die zahlen eben keine Kirchensteuer), Evangelisation nach innen wie außen kommt nicht vor. "Professionell" bedeutet eben nicht intim, das Innerste nach außen kehrend.
    Das hat mit der Kirche als Grundsakrament nichts zu tun.

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    1. In der Antwort auf einen Kommentar weiter oben habe ich schon dargelegt, dass Professionalität und existenzielle Verkündigung / Zeugenschaft, die sich in einem weltlichen Dienst der Laien darlegt in meinen Augen überhaupt keinen Gegensatz bilden, sondern unbedingt zusammen gehören. Was das für meinen Beruf des Pastoralreferenten bedeutet, hat mein Kollege Norbert Bauer in einem der letzten Posts mit dem Zitel "Pastoralreferent - ein verweltlichter Beruf" dargelegt. Die Chance von Laien ist eben auch ihre Verweltlichung. Da stimme ich Ihnen sehr zu.

      Daher geht es in meinen Augen eben gerade nicht um eine Aufteilung zwischen Dienstleister und Dienstempfänger. Seelsorge ist kommunikatives Geschehen, und vermutlich überwiegen sogar in diesem Geschehen oft die "Dienste", die ein Gegenüber an mir tut. Das von mir skizzierte Beispiel der seelischen Not vieler Menschen, die in der Krise niemanden finden, der wie Jesus zu ihnen sagt "Was kann ich für dich tun?" zeigt aber gerade, dass das wichtige Bild vom Dienen, das ja auch der Papst häufig im Hinblick auf die Aufgaben von Amtsträgern sehr schnell schief zu werden droht, wenn der professionelle (im übrigen heißt das ja auch: leidenschaftliche) Blick auf das Geschehen fehlt.

      Zumindest in meinem Verständnis spielt "Mission" eine wichtige Rolle. Dieses Wort lässt sich ja schwer übersetzen: Ich spreche manchmal etwas holprig von der "Schickung" im Sinne des Endes der Eucharistiefeier: Ite, missa est - los gehts. Tut von dem, was ihr bekommen habt. Aber was bedeutet das? Darauf gibt es in unserer ausdifferenzierten, ambivalenten, fluiden Gesellschaft / Kultur meines Erachtens nur differenzierte Antworten. Sicher bedeutet es nicht in jedem Fall eine Eingliederung in unsere institutionellen Formen / Gruppen / Kreise. Daher sind mir, abschließend gesagt, die "circumstantes" so wertvoll, von denen die Bibel eben auch spricht. Und sie sollen auch Staunende, Beobachtende bleiben dürfen.

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  6. Was aber, wenn Professionalität und Anstellungsverhältnis gar keinen Kausalzusammenhang haben? Oder nicht einmal koinzidieren? Mir fallen in den katholisch-kirchlichen Strukturen schon einige Menschen ein, die da zwar hauptberuflich tätig, aber weder professionell noch serviceorientiert sind -- und ich kenne ehrenamtlich Engagierte, deren Einsatz, Serviceorientierung und Professionalität tief beeindruckend sind.

    Vielleicht sind ja eben genau die genannten Fähigkeiten einfach spezielle Charismen.

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    1. Bist du nicht selbständig, Konrad? Dann wirst du wissen, dass und wie Personal geführt werden muss.

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  7. Die Antwort/Frage verstehe ich nicht - bitte erklären!
    Gruß DV

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    1. Ich finde, Personal muss geführt werden. Das gilt für jedes Unternehmnen, auch für ein Unternehmen, das den Anbruch vom Reich Gottes verkündet. Konrads Beobachtung stimmt ja, aber daraus folgt doch nicht, dass auf professionelle Anstellungsverhältnisse zu verzichten sei. Wenn schon dauernd über missionarische Kirche gesprochen wird, dann könnte das doch auch beispielsweise eine Personaloffensive und besseres Personalmanagement bedeuten.

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  8. Sehr geehrter Herr Otten,

    auch ich finde dieses Thema sehr interessant.

    Leider fürchte ich aber, daß auch ich da etwas anderer Meinung bin als Sie.
    Zusammen mit meiner Frau bin ich als Laie engagiert in unserer Kirchengemeinde vor Ort und mache mir schon so öfter meine Gedanken, inwieweit Professionalität in der Seelsorge wirklich so entscheidend ist.

    Ich glaube, man muß schon etwas kritisch feststellen, daß die (zweifellos vorhandene) Professionalität nicht so wirklich das langsame aber sichere Ausbluten kirchlichen Lebens verhindert.

    Zudem finde ich leider immer wieder, daß gerade bei Laientheologen teilweise eine etwas merkwürdige Haltung im Umgang mit Laien festzustellen ist, wofür mir jetzt ein genau passender Begriff fehlt.
    Ist es ein funktionärshaftes Gehabe? Ist es Arroganz? Ist es Dünkel?

    Vielleicht irgendetwas dazwischen.

    Bitte nehmen Sie das nicht persönlich, da ich Sie ja auch nicht kenne, aber dies ist mir eben schon öfter negativ aufgefallen.

    Vielleicht ist das ja die Art mancher Laientheologen, sich gegenüber Priestern auch wichtig zu fühlen.

    Ich bin jedenfalls der Meinung, daß wir Seelsorge anders aufziehen müssen als auf immer mehr Professionalität zu setzen, und das in immer größeren "Seelsorgeeinheiten".
    Kirche und Seelsorge dürfen nicht zu einem "religösen Betrieb" werden.
    Ich habe vor einiger Zeit mit einem Priester gesprochen, der mir gestand, wie sehr es ihn frustriere, im Ordinariat anzurufen und als erstes gefragt zu werden: „Wie lautet Ihre Pfarrei- Nummer?“
    Sehr professionell, zweifellos, aber soll das die Zukunft von Kirche sein?
    Ich denke, es gibt auch eine "Professionalisierungsfalle".

    Ich will damit nicht generell die Arbeit von Laientheologen schlecht reden, die ich teilweise auch sehr schätze.

    Aber wir müssen weg von dieser religiösen Dienstleistungsmentalität einer "Versorgungskirche", wo Seelsorge "an jemandem gemacht" wird.

    Wir sind alle und miteinander Kirche, das muß sich auch in Strukturen ausdrücken, was derzeit kaum der Fall ist.

    Wir sollten uns hin zu einem Netzwerk und einer Lebensgemeinschaft von Menschen auf Augenhöhe bewegen, anders hat Kirche m.E. hier keine Zukunft.

    Soweit in aller Kürze zu diesem wichtigen aber auch umfangreichen Thema.
    Trotz dieser kritischen Worte herzliche Grüße!

    S. Sch.

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    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Mich würde zunächst interessieren, was Sie genau meinen, wenn Sie vom "Ausbluten kirchlichen Lebens" sprechen. Ich habe eine Phantasie, aber vielleicht können Sie mir schreiben, was das für Sie bedeutet.

      Ich würde sagen: die Gestalt von Kirche verändert sich, sie wird pluriformer. Ein Beispiel: Es ist nicht der Normalfall, dass Menschen eine religiöse Sozialisation in einer territorialen Pfarrgemeinde erleben und sich institutionell eingliedern - so wie Sie das vermutlich tun und als stabilisierend und wertvoll für Ihr Leben erlebt haben. Trotzdem haben viele Menschen einen religiösen Sensus, sie Fragen nach Gott, Sinn, Liebe, Trost, worauf die Religion - der christliche Glaube - Antworten hat. Vielleicht ist der Trost - die Gewissheit, im letzten nicht allein zu sein - sogar die Wichtigste Aufgabe der Religion. Das verlangt ein differenziertes Zugehen auf immer komplexere Lebenswelten. Ich finde aber, dass Menschen das verdient haben, auch Menschen, die am Rand stehen, auch Menschen, die selten oder nie oder nur in Lebenswenden mit dem Religiösen in Berührung kommen. Mir ist die Geschichte von Zachäus wirklich wichtig geworden. Er begegnet Jesus einmal in seinem Leben. "Heute ist diesem Haus das Heil widerfahren, zumal auch er Abrahams Sohn ist", sagt Jesus. Selbst jemand, der am Rand steht und Jesus nur einmal begegnet - und vielleicht danach nie wieder - ist der Sohn Abrahams. Wenn ich diese Geschichte ernst nehme, finde ich da sehr viel Hoffnung: Begegnung ist offensichtlich auch da, wo institutionelles kirchliches Leben nicht ist. Das wahrzunehmen und nicht zu ignorieren bedeutet professionell zu arbeiten. So verstehe ich Professionalität, Dienstleistung: Die entscheidende Begegnung nicht zu versauen. Und wenn Sie so wollen ist das eine klassische Dienstleistung. Viele Heilungsgeschichten beginnen mit einer klassischen Dienstleistungsfrage: "Was willst du, dass ich dir tun soll?" Nebenbei: in den Heilungsgeschichten wird mir immer deutlich, dass es in der Kirche vielleicht zu oft um Form und Methode geht und zu wenig um Inhalte, zum Beispiel um den Aufbau des Reiches Gottes.

      Und so verstehe ich auch meinen Beruf. Norbert Bauer schrieb in einem der letzten Artikel auf diesem blog, dass der Pastoralreferent ein verweltlichter Beruf sei und dass darin eine Chance liege - übrigens liegt darin auch die Chance von jedem Laien. Und auf dem Hintergrund ist eben das Beispiel von der Pfarrei-Nummer eher ein Beispiel für Unprofessionalität.

      Um Ihre Aussage bewerten zu können, dass Laientheologen eine merkwürdige Haltung gegenüber Laien hätten, müssten Sie mir Näheres aus Ihren Erfahrungen dazu erzählen. Was meinen Sie damit, wenn Sie schreiben, Laientheologen fühlten sich gegenüber Priestern vielleicht zu wichtig? Mir erzählen ehrlich gesagt viel öfter Menschen von Fällen, in denen es sich umgekehrt verhält.

      Und zum Abschluss: Wenn Sie mögen beschreiben Sie mir doch mal das Bild vom Netzwerk, der Lebensgemeinschaft der Kirche auf Augenhöhe. Das macht mich sehr neugierig, was sich wohl dahinter verbirgt.

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