Mittwoch, 9. Dezember 2015

FuckUpNight

Ein Beitrag zum Jahr der Barmherzigkeit.



von Norbert Bauer

Papst Franziskus hat am 8. Dezember die Heilige Pforte des Petersdoms geöffnet und damit das "Heilige Jahr der Barmherzigkeit" eröffnet.
An die Kirchentür von St. Michael am Brüsseler Platz in Köln klopften im Frühjahr Anja und Milad. Sie erhofften Einlass für eine FuckupNight. Ich hatte von dieser Bewegung gehört. Von Mexiko ausgehend treffen sich seit 2012 meist junge Leute zu gemeinsamen Events. Bei diesen haben Menschen, die mit einer Idee oder Unternehmen gescheitert sind, Gelegenheit und Mut von ihren Fehlschlägen zu berichten. „Ihr als Kirche habt doch oft mit Menschen zu tun, die gescheitert sind“ argumentierten die Kölner Fuck-up-Vertreter, die zuvor schon Nächte der Gescheiterten in Clubs und Bars organisiert hatten.
Im November hat nun die zweite FuckUpNight in St. Michael stattgefunden. Die „Liturgie“ dieser Abende sieht vor, dass 3 -4 sogenannte Speaker jeweils 10 Minuten von ihrem Scheitern berichten. „Was ist schief gelaufen? Was wurde gelernt? Was würde ich heute anders machen?“ sind die Leitfragen. Anschließend haben die Gäste Gelegenheit nachzufragen. Am Ende wird ein grundsätzlicher Blick aufs Scheitern geworfen, beim letzten Mal durch Professorin Dr. Jutta Stahl vom Lehrstuhl für differentielle Psychologie an der Uni Köln. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte ich als Gastgeber. Ich sprach über das Kreuz als Symbol des Scheiterns. Und davon, dass Gott jeden Menschen liebt – unabhängig von Erfolg und Scheitern.

Das erstaunliche: An einem Donnerstagabend kommen mehr als 400 junge Menschen in eine Kirche. Sonntags versammeln sich da ansonsten maximal 40 Menschen zum Gottesdienst. Die Stimmung ist ernsthaft und entspannt zugleich. Es darf auch gelacht werden. Die Menschen, die sich mit ihrem Scheitern präsentieren, haben alle wieder Fuß fassen können. Ansonsten würden sie wahrscheinlich da nicht stehen können. Aber sie haben ihre Lektionen gelernt. Fast alle sagen: „Ich habe vergessen zu leben.“ Entscheidend für das Gelingen des Abends ist der Respekt, der den Menschen mit ihren Fehleistungen entgegengebracht wird. „Ich danke dir dafür, dass Du uns so offen von Deinem Scheitern erzählt hast.“ So oder ähnlich wird jede Rückfrage an den Speaker eingeleitet. Am Ende der letzten FuckUpNight schloß ich die Kirchentür ab. Ich hatte erfahren: Kirche kann ein Ort der Barmherzigkeit sein.

Was habe ich gelernt in der Kooperation mit Beko, Anja, Bela und Milad? Wir müssen unsere Räume teilen. „Teilen im Sinne von sharing, also nicht dividing: ein Vorgang, bei dem etwas wächst, womit man gar nicht vorher rechnen kann.“ (Hans-Joachim Sander)

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