Freitag, 20. November 2015

Originalversion. Ohne Remix.

Foto: Peter Otten
Ich war bei Bob Dylan. Er singt immer wieder neue Lieder. Die deutschen Bischöfe waren in Rom. Beim Papst. Und durften sich wieder die alten Lieder anhören.

Von Norbert Bauer

Vor kurzem war ich bei einem Bob Dylan-Konzert in Düsseldorf. Zum dritten Mal, denn bei ihm weiß der Besucher nie was ihn erwartet. Klar ist nur eins: es wird kein Best-Of Konzert. So war es auch dieses Mal. Bis zur Zugabe. Da sang er tatsächlich „Blowing in the Wind“. Mitsingen konnte aber keiner, denn er erfand das Lied mal eben neu – nicht den Text, sondern die Melodie. Es war schlicht großartig. Vor der Halle kamen alle die auf ihre Kosten, die von Dylans Wandlungen enttäuscht waren. Ein junger Mann sang zur Gitarre Dylans Lieder werkgetreu nach. Als ob die Zeiten sich nicht geändert hätten.
 

Die deutschen Bischöfe waren nicht bei Dylans never ending tour aber zum Ad-limina-Besuch bei Papst Franziskus. Aber der soll ja auch dafür bekannt sein, dass er andere Lieder singt. Was sie dann aber vom aktuell Heiligen Vater zu hören bekamen war the same old song. 

Die deutsche Kirche ist sehr reich – und überhaupt nicht fromm. Und das ist natürlich nicht gut. Um aus dieser „lähmenden Resignation“ herauszukommen empfiehlt der Papst eine „pastorale Neuausrichtung“, denn „die Kirche ist kein geschlossenes System, das ständig um die gleichen Fragen und Rätsel kreist.“ Sehr richtig denkt der deutsche Katholik im theosalon und staunt dann aber über die päpstlichen Innovationen: „Pastoralpläne, die den geweihten Priestern nicht die gebührende Bedeutung in ihrem Dienst des Leitens, Lehrens und Heiligens im Zusammenhang mit dem Aufbau der Kirche und dem sakramentalen Leben beimessen, sind der Erfahrung nach zum Scheitern verurteilt. Die wertvolle Mithilfe von Laienchristen im Leben der Gemeinden, vor allem dort, wo geistliche Berufungen schmerzlich fehlen, darf nicht zum Ersatz des priesterlichen Dienstes werden oder ihn sogar als optional erscheinen lassen.“ Rrrrums. Da wird in beinahe allen deutschen Bistümer zur Zeit in Synoden und anderen Aufbruchsszenarien aufgeregt Kirchesein neu gedacht, wird das Wort „Ehrenamtliche“ durch „engagierte, getaufte und gefirmte Christen“ ersetzt, schreiben die deutschen Bischöfe davon, dass Leitung in der Kirche viele Gesichter hat“ und dass „durch die Taufe jeder Christ berufen ist“ - und wovon spricht der Mann in Rom? Von der wertvollen „Mithilfe der Laienchristen“ und davon dass „die Berufungspastoral mit der Sehnsucht nach dem Priester im Herzen der Gläubigen beginnt.“ Da ist sie wieder die Schallplatte, die schon von DJ Benedikt und Johannes Paul II aufgelegt wurde. In der Originalversion, ganz ohne Remix. Aber es kann nicht sein, was nicht sein kann. Die treuen Fans von Papst Franziskus wissen im Netz was passiert ist. Papst Franziskus ist gar nicht der Autor des Textes und hat darüber hinaus vergessen vom Manuskript abzuweichen. Dann ist ja alles gut.

Kommentare:

  1. Sorry, aber das hier ist billige Polemik. Die deutschen (Weih-)Bischöfe hatten in Rom drei Begegnungen mit dem Papst, dabei gab's hinreichend Zeit für persönliche Gespräche - abseits des Austauschs der üblichen Schriftsätze. "Was sie vom Heiligen Vater zu hören bekamen", war also nicht nur das, was nachher in Papierform veröffentlicht wurde und was Sie als "same old song" kritisieren. Die "Komponisten" dieses Songs sitzen in Wahrheit im Staatssekretariat, auch in der deutschen Sektion. Sie kann man in der Tat dafür kritisieren, dass ihnen auch unter einem neuen Papst nichts Neues einfällt. Franziskus selbst hat längst davon Abstand genommen, diese Schreibtisch-Botschaften (und -Rüffel) an seine Ad-Limina-Besucher tatsächlich zu verlesen. Er überreicht sie ihnen als Brief, hat damit diesen unvermeidlichen Protokollpunkt abgehakt und kann sich dann ganz dem persönlichen Gespräch widmen. Ohne Floskeln, auf Augenhöhe. Und das soll alte Leier sein?

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    1. Natürlich ist mein Beitrag nicht frei von Polemik. Billig ist sie in meinen Augen nicht. Bei den den von Ihnen erwähnten "persönlichen Gesprächen. Ohne Floskeln, auf Augenhöhe" war ich nicht dabei und darüber gibt es auch keine inhaltliche Berichterstattung. Ich kann mich nur auf das beziehen, was veröffentlicht wird. Und ich beziehe mich nicht auf das, was von einem Staatssekretariat veröffentlicht wurde, sondern auf das was sowohl von der DBK als auch vom Vatikan als offizielles Ergebnis herausgegeben wurde. Aber vielleicht ist es ja bei Papst Franziskus ähnlich wie bei bei dem anderem verehrten Franz: Ich unterschreibe alles. (Achtung Polemik)

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