Freitag, 3. Mai 2013

Verdammnis


Von Norbert Bauer

Nicht nur für Katholiken identitätsstiftend. Foto: Norbert Bauer
„Wer die Eucharistie nicht im wirklichen Glauben empfängt, dass er unten den armen Zeichen von Brot und Wein Christus, den Herrn, empfängt, wer den Leib Christi empfängt wie einen Keks, wer aus dem Kelch trinkt, wie bei einer fröhlichen Runde aus dem  Pokal, der zieht sich die Verdammnis zu, weil er den Sohn Gottes, der sich aus Liebe zu ihm hingegeben hat am Kreuz und jetzt in der Kommunion hingibt, in furchtbarer Weise missbraucht und sein Liebe verrät.“ Dieses Zitat findet sich in der aktuellen Katechese, die Priester und Mitarbeitende im pastoralen Dienst zur geistlichen Vorbereitung auf den anstehenden Nationalen Eucharistischen Kongress erhalten. Es sind Texte, die - durch die Seelsorgerinnen und Seelsorger vermittelt - auch den Gemeinden den Weg auf dieses große Fest bereiten sollen. Auch wenn für mich Religion immer auch mysterium tremendum ist: Ich bin noch ratlos, wie ich die Aussicht auf Verdammnis produktiv vermitteln soll. Vielleicht erhalte ich ja Hinweise von den Leserinnen und Lesern dieses Blogs.

Solche Katechesen, wie diese von Prof. Michael Kunzler, geben vielleicht einen Hinweis darauf, warum die Anmeldezahlen zu diesem Kongress weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück bleiben. Kunzler setzt in seinem Text auf das Unterscheidende des katholischen Glaubensverständnisses. „Zu unterscheiden ist dieses eucharistische Brot und dieser Wein im Kelch von jeder anderen Speise und allen anderen Getränken, die Menschen zu sich nehmen, denn es ist der Leib und Blut des Herrn. Zu unterscheiden ist dieser junge Mann aus Galiläa von allen Weisheitslehrern und Religionsstiftern, denn er ist der Sohn des lebendigen Gottes.“ Unabhängig davon, dass sich die katholische Dogmatik dadurch auszeichnet, dass sie Komplexität im Glauben nicht durch Reduktion versucht aufzulösen (wahrer Gott und wahrer Mensch), zeigt sich hier das Dilemma des Eucharistischen Kongresses. Der glaubende und manchmal auch zweifelnde Zeitgenosse sucht nach Schnittmengen mit Andersglaubenden und Agnostikern. Jegliche Form von „eliminatorischem Katholizismus“ (Rainer Bucher) ist ihm fremd. Vielleicht begegnet der sich an Gemeinsamkeiten orientierende Katholik auch deswegen reserviert auf den Kongress, denn er ahnt, dass hier Identität durch Distinktion, durch Abgrenzung gestiftet werden soll. Nicht das Verbindende steht im Fokus, sondern das Unterscheidende. Der Kölner Theologe Hans Joachim Höhn hat in „Fremde Heimat Kirche“ auf die „Verfängliche Logik des Unterscheidens“ hingewiesen, die sich in einer McKinsey-Theologie verfängt. „Wer nur auf die Bestimmung von Unterschieden aus ist, macht das, was in der heutigen Gesellschaft alle tun, um sich zu profilieren. Und wer das macht, was alle andere auch tun, hat schon aufgehört, sich von allen anderen zu unterscheiden.“ Vielleicht hätten die Ideengeber des Eucharistischen Kongresses auf diese Identitätsfalle besser achten sollen

Kommentare:

  1. Leider kann ich zur katechetischen Verwertbarkeit des Begriffs "Verdammnis" auch nichts beitragen. Mich hat der gesamte Duktus der Katechese erstaunt; der Aufruf der deutschen Bischöfe und das Begleitschreiben des Erzbischofs, die gestern verlesen wurden, klingen (Gott sei Dank) ganz anders.

    Auch ich fand den Absatz, aus dem das obige Zitat stammt, wirklich ärgerlich. Da wird wieder einmal Paulus zitiert: "Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt." 1Kor 11,29 - ohne zumindest darauf hinzuweisen, in welchem Zusammenhang dieser Satz fällt und was das Anliegen des Paulus ist. Im Fokus seiner Kritik stehen die Reichen, die nicht auf die Armen der Gemeinde warten, weil diese länger arbeiten müssen. Stattdessen beginnen sie schon mit dem Verzehr der mitgebrachten Speisen und sind satt und betrunken während die anderen hungern. Paulus zielt hier nicht auf die richtige theologische Einordnung und Abgrenzung der eucharistischen Gaben, sondern auf die persönliche Haltung und das Verhalten den anderen Mahlteilnehmern gegenüber. Das sollte man zumindest erwähnen.

    Erschreckt hat mich auch der Satz vor den oben zietierten Worten. Er lautet: "Es ist wie bei einem Herzmedikament, das ein gesunder Mensch gar nicht nehmen darf; nimmt er es trotzdem, dann macht die Arznei ihn ernsthaft krank und bedroht unter Umständen sein Leben!"
    Natürlich steht bei dieser Analogie die (vermutete) Wirkweise im Vordergrund. Trotzdem finde ich es bedenklich, ein notwendiges Übel (Herzmedikament) mit der Kommunion in Verbindung zu bringen. Jeder Herzpatient würde gerne auf die Einnahme seiner Medikamente, deren Nebenwirkungen er jeden Tag spürt (und die ihm schaden!), verzichten. Das wird Ignatius von Antiochien wohl kaum im Sinn gehabt haben als er von der "Arznei der Unsterblichkeit" schrieb.

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  2. Ich kann meinem Vorredner als Neutestamentler nur zustimmen. Die paulinische Aussage aus 1 Kor 11,29 wird immer wieder missbraucht. Dabei verweist sie in ihrem Zusammenhang auf die Gemeinde als Leib Christi. Wenn dieser gemeindliche Leibe Christi nicht in Ordnung ist, weil die Reichen die Armen übervorteilen, dann wird das Brot, das zum Leib Christi geworden ist, unwürdig empfangen. Paulus wendet sich gerade gegen eine egozentrische Frömmigkeit, die an der eigenen Selbsterlösung interessiert ist. Wer den Leib Christi anbetet, kann verdammt noch mal nicht an den Armen dieser Welt vorbeigehen. Oder, wie es der geschätzte Pfarrer von Bonn-Endenich in der ihm eigenen Art ausdrückt: Wer vor der Monstranz kniet, muss sich draußen zum Nächsten bücken! Kommt das im Programm des eucharstischen Kongresses vor?

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