Mittwoch, 1. Mai 2013

Stillos

Foto: Wikipedia.de
Von Peter Otten

Jetzt hat jene geschmacklose Katechese über die Hinrichtung von Jonathan Nobles, die auf der Internetseite des Eucharistischen Kongresses zu lesen ist, auch den Weg in das Programm des Jugendfestivals beim Eucharistischen Kongress gefunden (S. 15). Dort wird der - angebliche - Kommunionempfang des Todeskandidaten dazu benutzt, um den Wert der Eucharistie zu erklären. Die Übergriffigkeit, die dieses Bild enthält, ist an anderer Stelle schon beschrieben worden.

In einer Reportage über Nobles aus dem Jahr 2001 schildert Steve Earle, wie die Begegnung mit dem Katholizismus Nobles im Gefängnis verändert hat. Aber gerade das betont die Absurdität der Todesstrafe nur noch mehr. Denn der, der zum Glauben fand wird hingerichtet. Doch davon kein Wort. „Ich weiß, dass Jonathan Nobles sich in seiner Zeit im Gefängnis grundlegend geändert hat", erzält Earle. "Ich weiß, er hat das Leben von Menschen, die mit ihm in Kontakt kamen, verändert, meines eingeschlossen. Unser Rechtssystem ist nicht bekannt für Rehabilitation. Ich bin mir nicht sicher, dass unsere Gesellschaft an diesem Konzept überhaupt noch interessiert ist. Das Problem ist: Die meisten Menschen, die ins Gefängnis reingehen, kommen eines Tages raus und laufen mitten unter uns rum. Da wir es als gegeben ansehen, Leute einzusperren, würden wir besser lernen sie zu rehabilitieren. Ich glaube, Jon wäre in der Lage gewesen uns zu unterrichten, wie das gehen kann. Jetzt werden wir das nie wissen.“ 

Jetzt werden wir das nie wissen. Genau so ist es. Wir werden auch nicht wissen, was Jonathan Nobles über die Instrumentalisierung seiner Person denkt. Die Hinrichtung eines Menschen kann man genauso gut als Perversion des eucharistischen Liebesgedankens deuten. Aber davon kein Wort. Dafür reichlich Spekulation über das Innenleben eines Menschen, dem sein Leben entrissen wurde. Geschmacklos und stillos.

Kommentare:

  1. Übergriffigkeit ist keine "Stilfrage" - von daher finde ich Ihre Überschrift verharmlosend, so gut und zutreffend ich den Artikel ansonsten finde.

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  2. Sie haben recht. Es ist mehr als dies, unendlich viel mehr. In meinem ersten Kommentar meine ich wäre dies deutlich geworden.

    Aber es ist auch stillos: Wie jeder von jedem abschreibt ohne sich für die Geschichte dieses Menschen auch nur eine Spur zu interessieren - und nicht davor zurückschreckt, das Sterben zu instrumentalisieren. Diese Oberflächlichkeit und Rücksichtslosigkeit ist in all ihrer gewaltsamen Übergriffigkeit auch stillos.

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