Donnerstag, 7. August 2014

Schon wieder: Gleichschaltung

Foto: Norbert Bauer
Dank der katholischen Kriseninterventionswaffe „Barmherzigkeit“ darf Mithat Gedik Schützenkönig bleiben. Aber der Dachverband der katholischen Schützen ist beleidigt und wittert schon wieder Gleichschaltung.

Von Norbert Bauer 

„Welcher Faschist hat mein Bier umgeworfen?“ Der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen brachte 1985 linke Welterklärungsmuster in seinen Buch Sexbeat auf den Punkt. Jeder, der sich ihm in den Weg stellte war ein potentieller Faschist. Und wenn es nur der Tresennachbar war, der aus Versehen das Bierglas umstößt. Dass die Welt doch differenzierter zu betrachten ist, zeigte er 1992 mit seinen Essay „The Kids are not allright“! 
Wenig Differenzierungsvermögen zeigen heute noch manche katholischen Akteure. Wenn ihnen etwas nicht passt, wird zwar nicht gleich „Achtung Faschismus!“ gerufen, dafür aber das Warnschild „Gleichschaltung“ aufgestellt. Ich habe mich hier schon einmal zu der Unsitte geäußert, jeder gesellschaftlichen Veränderung, die nicht mit dem Katechismus deckungsgleich ist, das Gleichschaltungsetikett anzukleben. Ich muss es aber wieder tun, denn dieses Mal wittert der „Bund der historischen Schützenbruderschaften“ Verdacht. 

Der Hintergrund ist bekannt. Mithat Gedik wurde Schützenkönig einer katholischen Bruderschaft. Der örtliche Schützenverein fand das zusammen mit seinem Präses prima - die Satzung und der Bundesverband hingegen nicht. Das hat so nicht jeder verstanden und deswegen musste eine Klärung her. Und siehe da, die Bundesbrüder beschließen die aktuelle katholische Kriseninterventionswaffe „Barmherzigkeit“ zu ziehen. Mithat Gedik darf als König durch sein Dorf ziehen, am Ortsausgangsschild endet jedoch sein Reich.
 
Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruder-schaften aber ist  beleidigt. Denn die Medien haben ihn als Prototyp der Provinzialität dargestellt. Dabei hat doch die sauerländische Provinz gezeigt, dass sie viel weiter ist als die Zentrale. Diesen Vorwurf konnten sie nicht auf sich sitzen lassen und deswegen schießen sie mit ihrer Pressemeldung einen echten Vogel ab: „Die Stimmen, die sich erheben, reichen quer durch Medien und Parteien bis hin zu Integrationsbeauftragten und Diskriminierungsstellen", heißt es da. Es scheint so, als wollten diese Stimmen Zwangsharmonisierung und geistige Gleichschaltung in Deutschland erzwingen. Dies muss einen geschichtlich aufgeklärten Bundesbürger erschüttern.“ Das musste ich zweimal leise und dreimal laut lesen, um wirklich zu glauben, was da steht. Diejenigen, die es gut finden, dass in einem katholischen Verband auch ein muslimischer Mann Schützenkönig werden kann, wollen eine „Gleichschaltung in Deutschland erzwingen.“ Die Jungs vom Bundesverband tun erst gar nicht so, als würden sie nicht wissen, dass dieser Begriff historisch besetzt ist, denn sie meinen ja noch hinzufügen zu müssen, dass dies „einen geschichtlich aufgeklärten Menschen erschüttern muss.“ Ich habe im Geschichtsunterricht gelernt, dass die NSDAP schon 1933 mit Gleichschaltungsgesetzen dafür gesorgt hat, dass Parteien und Gewerkschaften verboten wurden und dass z.B. nur noch Arier Beamte sein konnten. Ich weiß nicht, was die Bundesschützenbrüder gelernt haben, aber es ist nicht nur historisch falsch, sondern auch infam eine solche Analogie herzustellen. Oder stehen die Schützenbruderschaften etwa vor einem Verbot? Oder vor Übernahme durch einen muslimischen Schützenverband? Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Schützenkönig Mithat Gedik steht für Diversität und Pluralität. Für all das, was Faschisten, Nazis und andere Gleichschaltungsfanatiker hassen. Daher Glückwunsch an die Schützenbruderschaft St. Georg in Sönnern-Pröbsting, Kreis Arnsberg, die weiterhin stolz auf ihren Regenten Mithat Gedik sind.

4 Kommentare:

  1. Wenn Vereine ihre katholische Identität aufgeben und nicht nur Hans und Franz, sondern auch Achmet und Machmut aufnehmen müssen, zeigen sie "Diversität und Pluralität"?
    Wird da nicht vielmehr aus dem Verein ein Einheitsbrei ohne eigene Positionen?

    Wenn ein Fußballverein Spieler von allen anderen Sportarten aufnehmen muß, dann wird aus dem Fußballverein vielleicht ein Verein zur Förderung des Breitensports, aber er hört auf Fußballverein zu sein.

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    1. Weshalb ein Schützenverein eine katholische Identität braucht, leuchtet mir nicht ein.

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  2. Jawoll, Herr Niebecker! Die ISIS nimmt auch keine Christen auf! Es sei denn Hans und Franz sind Muslime, dann haben die kein Problem bei der ISIS. Anders als Sie, der ja Achmet und Machmut grundsätzlich misstraut!

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    1. Anders als bei den Schützenbruderschaften hat sich allerdings die Antidiskriminierungstelle in Berlin noch nicht zur Aufnahmepraxis bei ISIS geäußert und diese auch noch nicht gerügt.
      Die dürfen das also offenbar so handhaben.

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