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Mittwoch, 30. Mai 2018

Causa finita

Screenshot FAZ vom 30.5.2018 (Peter Otten)
Man ist es leid, immer ausgefuchstere Begründungen für die Diskriminierung von Frauen in der Kirche zu hören. Dabei hatte Gott bei der Offenbarungsidee halt nur die Auswahl zwischen Kopf und Zahl. Ist das ein Grund für die Kerle für alle Zeiten überzureagieren? Wahrscheinlichkeitsrechnung würde schon helfen.

Von Peter Otten

Als Gott darüber nachdachte, es wäre vielleicht eine gute Idee, sich den Menschen in der Geschichte zu offenbaren hatte er genau zwei Möglichkeiten. Vielleicht hat er dann eine Münze hochgeworfen, Kopf = Junge und Zahl = Mädchen. Oder umgekehrt. Jedenfalls wurde es dann ein Junge. Aber, hey, es hätte halt auch ein Mädchen werden können. Fifty-Fifty-Chance halt. Es hätte auch anders kommen können. Muss man da gleich so überreagieren? We Kerle are the Champions? Weil Jesus ein Mann war? Jungs, habt ihr gepennt, als in der Schule Wahrscheinlichkeitsrechnung dran war?


Beim Joggen am Rhein musste ich heute Morgen an das Stück vom Menschengericht denken. "Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben" heißt es da bekanntlich. Und: "Ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht." Das sagt der Weltenrichter zu denen zu seiner Linken.

Tja, und vielleicht müssen die zu seiner Linken dann antworten: "Hey, wir dachten irgendwie, weil Jesus doch ein Mann war, dass es nur Chefs geben soll und keine Chefinnen. Zwar sagten ein paar von uns: Geht es nicht um das Heil der Welt und der Seelen? Aber wir dachten halt, es kann nur Männer geben und das hättest du verfügt und dann gabs Personalnot, und dann sind ein paar Fremde, Nackte und Kranke durchs Rost gefallen, bedauerlich, aber wie gesagt: Nach bestem Wissen und Gewissen." Und dann sagt der Weltenrichter vielleicht: "Habt ihr noch alle Latten am Zaun?"

Beim Weltengericht hilft offensichtlich keine Wahrscheinlichkeitsrechnung, da gibt es keine Fifty-Fifty-Chance. Mit dem Reich Gottes kann man nur anfangen oder man kann es sein lassen. Ein bisschen anfangen geht nicht. Mit der Hälfte antreten - kann man machen, ist aber Quatsch und für die Nackten und Fremden im Zweifel entscheidend. Wenn den Verantwortlichen in der Kirche noch nicht mal das Heil der Welt Grund genug ist für den Einsatz aller Menschen für das Reich Gottes - dann scheint tatsächlich alles verloren.

Okay, und wenn selbst das Seelenheil der Menschen kein hinreichender Grund ist: Darüber hinaus ist man es leid, immer wieder ausgefuchste Begründungen für den angeblich gottgewollten Ausschluss von Frauen zu hören. Erst Recht wenn sie mit weiteren irrsinnigen Konstruktionen wie in dem neuerlichen Artikel von Luis Ladaria angereichert sind: Das ist doch keine Diskriminierung, Frauen! Seht es mal so: Unterschiedliche Rollen bereichern uns alle! (Also: Wir bestimmen nicht nur, was Diskriminierung ist sondern auch, was gut für euch ist.) Wollten wir dieses übergriffige Sprechen nicht hinter uns lassen?
 

Also: eigentlich kann man keine Begründungen mehr hören, warum Frauen draußen bleiben müssen. Warum auch eigentlich? Es müsste selbstverständlich sein, dass sie drin sind. Genau so und wunderbar Christiane Florin vor einigen Tagen bei einer Lesung aus ihrem Buch "Der Weiberaufstand" bei der Bundeskonferenz der KjG in Altenberg: "Weil es Frauen gibt. Das muss als Begründung reichen" sagte sie. Genau, exakt, hundertprozentig. Causa finita.

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