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| Fotos: Elke Otten |
Von Peter Otten
Zuvor: Tobit, ein Engel und ein Hund
Wofür brauchen Menschen das Religiöse? Den Glauben? Weihnachten habe ich in einer Predigt im Internet einen Satz gehört, der mich jedenfalls auf eine Spur gebracht hat:
"Da, wo unsere Wunden offen liegen, bekommt Gott die Chance, unsere Verletzungen zu berühren und in Berufungen zu verwandeln."
Ich glaube, dass genau darin Erlösung liegen kann: Wenn Menschen ihre Wunden nicht mehr verbergen, sondern vorzeigen dürfen. Im Vertrauen darauf, dass da ein anderer ist, der die Verwundungen nicht kritisiert und optimieren will, sondern der sie anschaut, veredelt und verwandelt. Wenn das passiert, zeigt sich darin die Hoffnung, dass die Wunden und Verwundungen nicht das letzte Wort haben, sondern dass da einer ist, der sie heilt und das verwundete Leben vollendet.
Jetzt habe ich meine These schon verschossen. Und könnte mich wieder hinsetzen. Aber dann ließe ich euch ja vermutlich skeptisch zurück. Vielleicht würdet ihr denken: Schon wieder so ein Kirchentyp, der schön klingende Dinge behauptet. Der garstige Graben bleibt aber, wenn die Erzählung vom Heil im Leben keine Resonanz findet.
Und da sind wir bei dem entscheidenden Punkt: Die Erzählung. Je älter ich werde desto stärker merke ich, es sind die erfahrungsgesättigten Erzählungen, die Relevanz in meinem Leben bekommen. Mir ist das im Advent und Weihnachten nochmal sehr klar geworden. Diese Zeit ist so voll von kleinen Erzählungen, Miniaturen und Symbolen, die aus sich heraus überzeugen: Das Licht, die grünen Zweige, der Duft, die Süße. Am Sonntag kommt bei der Taufe Jesu das Wasser dazu. Was sagt mir das? Du kannst Vertrauen, Hoffnung und Liebe behaupten – darin sind wir in der Kirche ziemlich gut. Behauptungen erzeugen aber keine Relevanz, wenn sie in mir kein Echo, keine Resonsnz finden. Geschichten tun dies eher. Für mich ist das noch mal neu klar geworden, seitdem ich eine neue Geschichte mit einem kleinen Hund begonnen habe. Davon möchte ich heute erzählen.
